Lektüre beendet „Gegen Wahlen“ (David Van Reybrouck)

„Es ist seltsam mit der Demokratie. Jeder ist dafür, aber keiner glaubt mehr so recht daran, dass sie funktioniert, jedenfalls nicht durch Wahlen. Wenn die Ergebnisse anders lauten als gewünscht, ist rasch der Vorwurf des Populismus im Raum. Immer weniger Menschen gehen wählen, die Mitgliederzahlen der politischen Parteien gehen dramatisch zurück. Wie kann überhaupt eine Demokratie effizient arbeiten und langfristig tragfähige Entscheidungen treffen, wenn die Politiker ihr Handeln vor allem an einem ausrichten müssen: Bei der nächsten Wahl wollen sie wiedergewählt werden.
David Van Reybrouck beschreibt diesen Mechanismus mit bestechend klaren Argumenten als »demokratisches Ermüdungssyndrom«. Wie kommen wir davon weg? Vielleicht sind ganz neue Wege nötig, auch wenn sie auf den ersten Blick ganz weltfremd erscheinen? David Van Reybroucks Vorschläge nehmen ein sehr altes demokratisches Prinzip auf, das schon im antiken Athen praktiziert wurde: Das Los. Bis hin zur Französischen Revolution wurde dieses demokratische Mittel oft angewendet, etwa auch in blühenden Republiken wie Venedig oder Florenz zu Zeiten der Renaissance. David Van Reybrouck zeigt, wie das auch heute ganz praktisch unsere machtlos gewordene Demokratie lebendiger machen kann.“ (Quelle)

Mara Delius urteilt über den Titel, es handle sich um ein „in in seinem argumentativen Vorwärtsdrang beeindruckender Essay im Philosophie Magazin (Oktober/November 2016). Und ich finde, aus den lobenden Pressestimmen, die der Verlag auf seiner Website zusammensammelt, trifft es dies sehr genau. Der Autor ist ständig in Bewegung, er drängt, er stürmt, er eilt in seiner geraden, einfachen, aber durchdringenden Sprache und scheut sich vor Zeiten auch nicht vor etwas Alarmismus (wie die FAZ kritisch anmerkt). Aber es fällt nach der Lektüre sehr schwer, nicht einfach zu sagen, worauf warten, wo ist der systematische Testballon im (noch größeren Stil)? Denn was habe man schon zu verlieren? Ja, was eigentlich?

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