Comic-Rundschau Oktober 2018

Geneigte Comicfreunde,

willkommen im Herbst, der verdächtig gülden den September und Oktober in Beschlag nahm. Doch ist nicht immer unter der Oberfläche noch ein Zweites, ein womöglich … Lauerndes zu suchen? Comics greifen diesen Gedanken immer wieder auf. Gute Erzählstoffe lassen die Frage allerdings angedeutet und überzeugen derart in der Ambivalenz, dass sie eine definitive Antwort nicht geben müssen.

Danke an Panini Comics für die aktuellen Rezensionsexemplare.

MOON KNIGHT 4: DER EWIGE KAMPF

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Inhalt

Knallharter Antiheld mit psychischen Problemen: Ist Moon Knight Marc Spector für einen neuen Gegner mit der feurigen Macht der Sonne, der genauso wahnsinnig ist wie er selbst, und der sogar Marcs ältesten und brutalsten Erzfeind rekrutiert? Das erste Kapitel der düsteren, blutigen und intensiven Saga der CROSSED-Macher Max Bemisund Jacen Burrows. (Quelle)

Wertung

Mit physischer wie psychischer Gewalt spart dieser Band schon einmal nicht. Aber es wäre wohl zu einfach, einfach auf die CROSSED-Vergangenheit der Schöpfer zu verweisen. Dennoch: Sehr viele tiefsitzende Probleme werden auf den Seiten recht einfach und direkt gelöst – Feuer und Faust scheinen die Antworten zu sein. Das ist insbesondere sehr schade, da der Band wirklich EINE große Wendung bereithält, gerade mit dieser beschäftigen sich die Autoren aber kaum. Schade.

 

PUNISHER: PLATOON – KAMPF UMS ÜBERLEBEN

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Inhalt

In dieser brandneuen Miniserie kehrt PUNISHER-Legende Garth Ennis an den Anfang von Frank Castles Weg in die Finsternis zurück. Im Vietnamkrieg verdient Castle sich als unerfahrener Offizier den Respekt der Soldaten unter seinem Kommando. Doch Castles blutigen Triumphen als Anführer stehen die Qualen einer rachehungrigen Vietcong-Scharfschützin gegenüber. (Quelle)

Wertung

Männaz am Drücker! Und das ziemlich oft. Frank Castle, seinem Dienstherrn USA gegenüber loyal im Vietnamkrieg unterwegs überzeugt durch Führungsstärke und Entschlossenheit – und ist bereit rechtliche Graubereiche auszuloten, um seine Mannschaft wieder heil nach Hause zu bringen. Die politische Seite des Krieges lässt er größtenteils außen vor, er zweifelt, aber handelt nicht danach. Ich denke, man sollte nach der Lektüre sofort Platoon Leader mit Michael Dudikoff ansehen.

 

DARK SOULS 2: DER TODESHAUCH DES WINTERS

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Inhalt

Ein in vielen Schlachten gestählter Krieger sucht seinen Weg aus einer Welt, die nur ewiges Eis und Blut kennt. Dämonische Mächte setzen alles daran, dass er ein weiteres Opfer des frostigen Todeshauchs wird. (Quelle)

Wertung

Hin und hergerissen ich bin. Der Zeichenstil ist ganz wunderbar; er lässt mich genau in dieselbe Atmosphäre eintauchen, die ich auch beim Ansehen der Spielvorlage empfand. Trostlos, aber … packend. Sterbend, aber … faszinierend. Generell ist die Welt, in der sich die Figuren bewegen, höchst interessant: War sie einmal wirklich anders? Und wenn ja? Voller Leben und Fröhlichkeit? Sind wir wirklich dazu verdammt, in einem kalten Herz zu wandern? In einer trauernden Fantasie einer schmerzvoll-liebenden, sich erinnerenden Frau? Leider äußerst sich die Hauptfigur viel zu oft zu irgendetwas. Das Kommentieren der Bilder raubt der visuellen Untermalung Kraft, weil es störend und unnötig wirkt. Auch der Höhepunkt der Geschichte bleibt seltsam farblos; die Erwartungen der LeserInnen werden hier kaum erfüllt.

 

TORCHWOOD 3: DAS MASSAKER

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Inhalt

John Barrowman, der in der TV-Serie den Haudegen Jack Harkness gespielt hat, ist mit der Rolle auch über das Ende der Serie hinaus tief verbunden: Er schreibt gemeinsam mit seiner Schwester Carole Barrowman die Story dieser grandiosen Comic-Serie selbst.

Wertung

Auch im dritten Anlauf gefällt mir die Geschichte rund um die Torchwood-Crew, die ich als TV-Serie so gerne mochte, einfach nicht. Band 3 erzählt eine sehr, SEHR einfache Geschichte, aber bläht sie mit einem unnötig vollen Figurenkarussel auf, das schlichtweg nicht nötig ist. Und…WIR HABEN JETZT EINE TOCHTER?…das ist nun ein wirklich billiger Kniff! Die minderkomplexe Art und Weise wie GCooper darauf reagiert ist … unwürdig. Schade.

Lektüre beendet „Moral und Politik“ (Michael J. Sandel)

„Auf welche Weise können moralische Aspekte Einfluss auf die praktische Politik nehmen? Wie wertneutral dürfen sich Staat, Recht und Gesetz verhalten? Diese Fragen bilden den Hintergrund für Michael J. Sandels kluge Betrachtungen zu gesellschaftlichen Streitpunkten – etwa zu den Themen Sterbehilfe, Abtreibung, Homosexuellenrechte oder Stammzellforschung. Auch die moralischen Herausforderungen der Marktwirtschaft, die die bürgerlichen Werte herabwürdigt, spricht er an. Sandel vermittelt dabei die Vision einer gerechten Gesellschaft. Er entwickelt einen staatsbürgerlichen Freiheitsbegriff, der es dem Einzelnen ermöglicht, seine eigenen Wertevorstellungen in die Gemeinschaft einzubringen.“ (Quelle)

Schade, dass gerade von jemandem wie Arno Widmann auf perlentaucher.de zu lesen ist, er habe das Buch Sandels einfach weggelegt, weil ihm das Urteil des Autoren über John Paulson nicht schmecke. Ich unterstelle, ja UNTERSTELLE, Widman ist u.U. auf die Hollywood-Darstellung Paulsons durch Christian Bale hereingefallen.

Zunächst einmal gilt: Keine Angst vor Fundamental-Überschriften! MORAL UND POLITIK, das klingt auf ängstliche LeserInnen vielleicht so, als müsste allein das Vorwort 836 Seiten umfassen (und das ist nur das Nötigste!!!). Dem ist nicht so. Sandels Betrachtungen lesen sich zu beginn angenehm leicht und anschaulich. Wenn er später über den politischen Liberalismus schreibt, verlässt er als Autor das Ubahn-Niveau aber durchaus. Hier sollte sich LeserInnen mehr Zeit lassen.

Historisch, wo es gefällt: Wie verantwortungslos Anno 1800 die Geschichte umdeutet — ArchaeoGames

Am 26. August 2017 erreicht der GameStar-Livestream mit Dirk Riegert nach etwa 14 Minuten einen bemerkenswerten Höhepunkt. Eben noch hatte der Creative Director von Blue Byte über sein aktuelles Projekt Anno 1800 geplaudert, eine historische Wirtschaftssimulation, die sich um die europäische Industrialisierung dreht. Dann allerdings wird er mit der Frage aus dem Chat konfrontiert, ob…

über Historisch, wo es gefällt: Wie verantwortungslos Anno 1800 die Geschichte umdeutet — ArchaeoGames

Who did it better?

Im Long Play sah ich mir die Master-System-Versionen von Bram Stoker’s Dracula und Master of Darkness an. In beiden Titeln will sidescrollend auf die Vampirjagd gegangen werden. Klarer Sieger: MoM!