Lektüre beendet „Homo Deus“ (Yuval Noah Harari)

„In Homo Deus, Yuval Noah Harari examines humanity’s future, offering a vision of tomorrow that at first seems incomprehensible but soon looks undeniable: humanity will soon lose not only its dominance, but its very meaning. Over the past century, humankind has managed to turn the uncontrollable forces of nature—namely, famine, plague, and war—into manageable challenges. Homo Deus explores the projects, dreams, and nightmares that will shape the twenty-first century, from overcoming death to creating artificial life. But the pursuit of these very goals may ultimately render most human beings superfluous. We cannot stop the march of history, but we can influence its direction.“ (Quelle)

Einmal so locker schreiben können wie dieser Herr. Wunderbare Lektüre. So locker. So schneidend.

Lektüre beendet „Hit Makers: The Science of Popularity in an Age of Distraction“ (Derek Thompson)

„In Hit Makers: The Science of Popularity in an Age of Distraction (Penguin Press, 344 pp.), Thompson, a senior editor at The Atlantic, has written a wonderful book full of such wonderings. He wonders all over the place, as befits a man who likes Shakespeare as well as the movie Dumb and Dumber.“ (Quelle)

Da ist Herrn Thompson tatsächlich etwas sehr Unterhaltsames gelungen! Dass der Hit zwischen „neophob und neophil“ liegt, man eine „gefühlte Wahrheit“ sein, doch der Autor steigt nicht eine, sondern mindestens drei Etagen tiefer ein und hat dabei noch locker Zeit, um über sein eigenes Werk zu plaudern. Schön.

Lektüre beendet: „Die Explosion des Wissens“ (Peter Burke)

„Die öffentliche Diskussion über das Wissen wird täglich und in allen Medien geführt: Was wissen wir, was weiß man über uns, und wie können wir die Hoheit über dieses Wissen behalten oder zurückerlangen? Wieso bemühen wir heute, wenn wir etwas wissen wollen, eine Suchmaschine? Warum werden wir zu »Informationsgiganten«, laufen aber Gefahr, zu »Wissenszwergen« zu verkommen? Welche Folgen hat die McDonaldisierung des Wissens? Die meisten Beiträge zur Debatte über das Wissen nähern sich dem Thema in praktischen Einzelaspekten oder stochern im Nebel medienwissenschaftlicher Theorien. “ (Quelle)

Das liest sich flott, gut und kann wunderbar portioniert werden. Kurzum: Das besorge man sich gerne!

Lektüre beendet „Deconstructing History“ (Alun Munslow)

„Few historians now maintain that they write „the“ truth about the past. Deconstructive readings of history and sources have changed the entire discipline of history. In this text the author examines history in the postmodern age. He provides an introduction to the debates and issues of postmodernist history. He also surveys the latest research into the relationship between the past, history and historical practice as well as forwarding his own challenging theories. The author details issues of both empiricist and deconstructionist positions and considers the arguments of major proponents of both stances. The text includes: an examination of the character of historical evidence; exploration of the role of historians; discussion of the failure of traditional historical methods; chapters on Hayden White and Michel Foucault; and an evaluation of the importance of historical narrative.“ (Quelle)

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Dieser reaktionäre Schmierfink ohne Sinn und Geist machte mir die Kaufentscheidung leicht. Ich orderte sofort (am liebsten zweimal).

Okay, die Wahrheit ist eine andere. Ich kam via YouTube auf den Historiker.

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Ich kann die Positionen aus Munslows Werk sehr gut nachvollziehen und hege große Sympathien für sie. Seine Sprache ist angenehm, seine Überlegungen klar strukturiert – sie holen den Leser immer dann ab, wenn er droht, etwas nicht zu verstehen.

Lektüre beendet: „Operation Paperclip. The Secret Intelligence Program to Bring Nazi Scientists to America“ (Annie Jacobsen)

„In the chaos following World War II, the U.S. government faced many difficult decisions, including what to do with the Third Reich’s scientific minds. These were the brains behind the Nazis‘ once-indomitable war machine. So began Operation Paperclip, a decades-long, covert project to bring Hitler’s scientists and their families to the United States. Many of these men were accused of war crimes, and others had stood trial at Nuremberg; one was convicted of mass murder and slavery. They were also directly responsible for major advances in rocketry, medical treatments, and the U.S. space program. Was Operation Paperclip a moral outrage, or did it help America win the Cold War?“ (Quelle)

Konservative, Freunde von Realpolitik und Gesinnungsethiker bekommen ebensolche Sorgenfalten auf der Stirn wie ihre politischen Gegenparte: Während das Schlechte, Uneinsichtige und Karrieristische im Menschen nach der Lektüre abschreckt (Geheime US-Kommandoaktionen, um Naziforscher und deren Ergebnisse in die eigene Agenda im Kalten Krieg einzubinden), taucht an jeder Ecke die Frage auf, ob die Paranoia zu Alternativlosigkeit trieb? Stalin stand bereits in jedem US-Wohnzimmer – da greift man schon gerne einmal auf Giftgaserfindungen aus toitschen Landen zurück! Eines steht fest: Die Frage, die in diesem Buch immer wieder gestellt wird, kann klar beantwortet werden: Nein, nicht jeder bekommt das, was er verdient.

Lektüre beendet „Was ich noch sagen wollte“ (Helmut Schmidt)

„Sieben Jahre nach Außer Dienst legte Helmut Schmidt ein neues eigenes Buch vor. Seine Ausgangsfrage lautet: Brauchen wir heute noch Vorbilder, und wenn ja, zu welchen Zielen sollen sie uns anleiten? Schmidt erzählt von Menschen, die ihn prägten und an deren Beispiel er sich bis heute orientiert. Politik ist pragmatisches Handeln zu sittlichen Zwecken, hat Helmut Schmidt einmal gesagt. Weil er stets pragmatisch handelte, hat man ihm früh das Etikett des „Machers“ angeheftet. Dass seiner Politik aber immer ein strenges sittliches Koordinatensystem zugrunde lag, ahnten die wenigsten. Und die Bezugsgrößen in Schmidts ethischer Grundorientierung sind unverrückbar geblieben. Die frühe Lektüre von Mark Aurel und Cicero, die Beschäftigung mit Kant und Weber, die Vertiefung in die Philosophie Karl Poppers sind entscheidende Wegmarken in der Entwicklung eines Politikers, der den Wählern nie nach dem Mund redete. Ob Schmidt berichtet, wie sich ihm in Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Sadat die gemeinsamen Wurzeln von Judentum, Christentum und Islam erschlossen oder wie in den Begegnungen mit Deng Xiaoping das System des Konfuzianismus bestätigt wurde: Im Mittelpunkt steht stets die persönliche Faszination. Im einleitenden Kapitel „Frühe Prägungen“ schreibt Schmidt über seine Schulzeit, über acht Jahre als Soldat – und über seine Frau Loki.“ (Quelle)

Der häufigste Vorwurf, auf den ich stoße, wenn ich Besprechungen zu „Was ich noch sagen wollte“ stoße lautet, dass der Verlag C.H. Beck hier noch einmal absahnen wollte. Die Inhalte seien eine Mischung aus autobiographischer Soap Opera und politischen Einsichten, die an anderer Stelle genüßlich (und mehrfach) vom Autoren Schmidt geäußert und niedergeschrieben worden seien.

Nun, das mag sein. Obgleich ich – wie viele andere dem Altkanzler gerne lauschte – las ich nicht viele seiner Bücher. Das mag ein Grund sein, weshalb ich mich dieser Kritik nicht anschließen möchte. Ein anderer und vermutlich viel bedeutsamerer Grund, weshalb ich die knapp 230 Seiten gerne an zwei, drei sonnigen Winternachmittagen gelesen habe, hat mit der Frage zu tun, die das Geschriebene in mir auslösten. Habe ich eigene Vorbilder?

Schon recht früh weist Helmut Schmidt auf einen interessanten Umstand hin: Ist es möglich, die vorbildhaften Züge gewählter Individuen von ihren sonstigen (evtl.) fragwürdigen oder trivialen Charakterzügen zu trennen. Wenn nicht, kann es keine menschlichen Vorbilder als solche, sondern lediglich Teile oder besser Tugenden / Taten geben, die vereinzelt herausblitzen und strahlen. Je umfassender, je reflektierter man seine Vorbilder ansieht, desto schwieriger wird es, sie weiterhin als das zu akzeptieren als was man sie gerne sähe: Vorbilder.

Erwarten wir zu viel? Wer ist Euer Vorbild? Der Sportler, der Disziplin, Fleiß und Team Spirit aufbringt, aber die Erziehung seines Kindes vernachlässigt oder dem zuhause die Hand ausrutscht, wenn die Ehefrau nicht so will wie er es möchte? Das mag nun überspitzt dualistisch dargestellt sein, aber ich denke, es verdeutlicht meinen Punkt.

Also, wer ist Euer Vorbild?