Lektüre beendet „Moral und Politik“ (Michael J. Sandel)

„Auf welche Weise können moralische Aspekte Einfluss auf die praktische Politik nehmen? Wie wertneutral dürfen sich Staat, Recht und Gesetz verhalten? Diese Fragen bilden den Hintergrund für Michael J. Sandels kluge Betrachtungen zu gesellschaftlichen Streitpunkten – etwa zu den Themen Sterbehilfe, Abtreibung, Homosexuellenrechte oder Stammzellforschung. Auch die moralischen Herausforderungen der Marktwirtschaft, die die bürgerlichen Werte herabwürdigt, spricht er an. Sandel vermittelt dabei die Vision einer gerechten Gesellschaft. Er entwickelt einen staatsbürgerlichen Freiheitsbegriff, der es dem Einzelnen ermöglicht, seine eigenen Wertevorstellungen in die Gemeinschaft einzubringen.“ (Quelle)

Schade, dass gerade von jemandem wie Arno Widmann auf perlentaucher.de zu lesen ist, er habe das Buch Sandels einfach weggelegt, weil ihm das Urteil des Autoren über John Paulson nicht schmecke. Ich unterstelle, ja UNTERSTELLE, Widman ist u.U. auf die Hollywood-Darstellung Paulsons durch Christian Bale hereingefallen.

Zunächst einmal gilt: Keine Angst vor Fundamental-Überschriften! MORAL UND POLITIK, das klingt auf ängstliche LeserInnen vielleicht so, als müsste allein das Vorwort 836 Seiten umfassen (und das ist nur das Nötigste!!!). Dem ist nicht so. Sandels Betrachtungen lesen sich zu beginn angenehm leicht und anschaulich. Wenn er später über den politischen Liberalismus schreibt, verlässt er als Autor das Ubahn-Niveau aber durchaus. Hier sollte sich LeserInnen mehr Zeit lassen.

Lektüre beendet „Anti-Europäer“ (Claus Leggewie)

„Was verbindet den norwegischen Massenmörder Anders Breivik, den russischen Intellektuellen Alexander Dugin und den syrischen Dschihadisten Abu Musab al-Suri? Claus Leggewie erkennt in ihnen Repräsentanten von Weltanschauungen, für die trotz aller Unterschiede und Gegensätze die Feindschaft zu offenen Gesellschaften gleichermaßen zentral sei. Leggewie analysiert Schriften, Biografien sowie Milieus der Drei und zeigt ihre parallelen Feindbilder auf: Im Rückgriff auf antimoderne Ideen vom Anfang des 20. Jahrhunderts wetterten sie gegen Demokratie, Pluralismus, Emanzipation, Globalisierung und den angeblich dekadenten Westen. Das Erstarken identitärer und autoritärer Stimmungen mache die europäische Öffentlichkeit besonders anfällig für diese nur scheinbar gegensätzlichen Ideologien. Um deren Zerstörungspotenzial durch Worte und Waffen nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, ruft Leggewie nach kreativen und positiven Zukunftsentwürfen für Europa und die Welt.“ (Quelle)

Eine schnelle, flotte Lektüre.

Lektüre beendet „Zornpolitik“ (Uffa Jensen)

„Gäbe es ein Messgerät für die Intensität kollektiver Gefühle, es würde derzeit Spitzenwerte anzeigen: In den politischen Debatten sind vielerorts Wut, Hass und Angst an die Stelle rationaler Argumente und gegenseitiger Rücksichtnahme getreten. Uffa Jensen verfolgt die Ursprünge der Zornpolitik bis ins 19. Jahrhundert zurück und erläutert, wie solche Gefühle der Ablehnung funktionieren. Dabei wird deutlich, dass Emotionen gerade in Auseinandersetzungen über gesellschaftliche Andere wie Flüchtlinge, Muslime oder Juden hochkochen und bewusst instrumentalisiert werden. Aus den historischen Zusammenhängen zwischen Vorurteilen und Gefühlen leitet Jensen Strategien ab, mit denen wir der aktuellen Welle des politischen Furors begegnen können.“ (Quelle)

Die knapp 180 Seiten lesen sich angenehm flott und geben hier und da wunderbare Denkanstöße – vor allem , was Begrifflichkeiten angeht, kann Jensen punkten.

Lektüre beendet „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ (Yuval Noah Harari“

„Eine kurze Geschichte der Menschheit“ heißt der Sachbuch-Bestseller aus Israel, der jetzt auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Der Erfolg des Geschichtsprofessors Yuval Noah Harari liegt, wie die kleine Kostprobe seines Denkens oben zeigt, neben der farbigen Sprache vor allem in seinem außergewöhnlichen Blickwinkel begründet. Aus luftiger Vogelperspektive gleitet Harari über die Jahrtausende und bietet viel: spektakuläre Panoramen, plötzliche Sturzflüge in Details, unkonventionelle Interpretationen und eine üppige Vielfalt an Wissen aus Archäologie, Biologie, Religionssoziologie, Wirtschaft und Mathematik.“ (Quelle)

Eine Mammut-Aufgabe…und ZEIT ONLINE weiß genau, wer diese bewältigen kann: „Wenn das einer kann, dann der junge Universalhistoriker Yuval Noah Harari, der mit großer Lässigkeit, faszinierendem Wissen und einer guten Portion Humor die Entwicklung der Menschheit beleuchtet. “ Und ja, es ist schwierig, sich dieser Behauptung entgegen zu stellen. Gerade seine leichtgängige Sprache scheint es zu sein, die den Flug zu angenehm gestaltet, obgleich vor allem seine Verwendung des Begriffes „Humanismus“, besonders des „evolutionären“ vieler Ortes auf Gegenwehr stoßen dürfte.

Lektüre beendet „Das Ende des Römischen Reiches – Verfall und Untergang einer Weltmacht“ (Hg. J. Saltzwedel)

„Jahrhundertelang hat das Römische Reich die Region rund um das Mittelmeer geprägt. Selbst als seine Macht weithin zur Legende geworden war, galt der Caesarenstaat als Inbegriff weltlicher Herrschaft. Woher rührte die unglaubliche Stabilität dieser antiken Supermacht? Wann begann ihr Niedergang- und was löste ihn aus? Gemeinsam mit renommierten Wissenschaftlern schildern SPIEGEL-Autoren das Ende des Römischen Reiches und fragen nach der bleibenden Bedeutung seiner Kultur und Geschichte. Der Glanz des Römischen Weltreiches ist bis heute nicht verblasst. Von Rom über Pompeji bis an den Limes bestaunen Jahr für Jahr Hunderttausende Touristen die Überreste der römischen Kultur. Unvorstellbar scheint beim Anblick der architektonischen Meisterleistungen, dass die antike Supermacht untergehen konnte. Doch wann und warum begann der Niedergang des Imperiums? Bereits im Jahr 9 n. Chr., als in der Varusschlacht drei römische Legionen vernichtet wurden? Oder kam das Ende schleichend, eine tödliche Mischung aus äußeren Feinden und inneren Fehlentwicklungen?“ (Quelle)

Also, das Entscheidende habe ich mitgenommen, im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus war Rom DER heißeste Club auf der Weltkarte! Optimale Bahn-Portionierung – in zwei Tagen weggelesen ließ der Band vieles aus meinem Schulunterricht wieder präsent werden.

 

Lektüre beendet „Homo Deus“ (Yuval Noah Harari)

„In Homo Deus, Yuval Noah Harari examines humanity’s future, offering a vision of tomorrow that at first seems incomprehensible but soon looks undeniable: humanity will soon lose not only its dominance, but its very meaning. Over the past century, humankind has managed to turn the uncontrollable forces of nature—namely, famine, plague, and war—into manageable challenges. Homo Deus explores the projects, dreams, and nightmares that will shape the twenty-first century, from overcoming death to creating artificial life. But the pursuit of these very goals may ultimately render most human beings superfluous. We cannot stop the march of history, but we can influence its direction.“ (Quelle)

Einmal so locker schreiben können wie dieser Herr. Wunderbare Lektüre. So locker. So schneidend.

Lektüre beendet „Hit Makers: The Science of Popularity in an Age of Distraction“ (Derek Thompson)

„In Hit Makers: The Science of Popularity in an Age of Distraction (Penguin Press, 344 pp.), Thompson, a senior editor at The Atlantic, has written a wonderful book full of such wonderings. He wonders all over the place, as befits a man who likes Shakespeare as well as the movie Dumb and Dumber.“ (Quelle)

Da ist Herrn Thompson tatsächlich etwas sehr Unterhaltsames gelungen! Dass der Hit zwischen „neophob und neophil“ liegt, man eine „gefühlte Wahrheit“ sein, doch der Autor steigt nicht eine, sondern mindestens drei Etagen tiefer ein und hat dabei noch locker Zeit, um über sein eigenes Werk zu plaudern. Schön.