Lektüre beendet „INFOMOCRACY“ (Malka Older)

„It’s been twenty years and two election cycles since Information, a powerful search engine monopoly, pioneered the switch from warring nation-states to global micro-democracy. The corporate coalition party Heritage has won the last two elections. With another election on the horizon, the Supermajority is in tight contention, and everything’s on the line. With power comes corruption. For Ken, this is his chance to do right by the idealistic Policy1st party and get a steady job in the big leagues. For Domaine, the election represents another staging ground in his ongoing struggle against the pax democratica. For Mishima, a dangerous Information operative, the whole situation is a puzzle: how do you keep the wheels running on the biggest political experiment of all time, when so many have so much to gain?“ (Quelle)

Ja, ja, West Wing meets Snow Crash und so. Das ist natürlich ein mächtiger Vergleich. Er stammt auch nicht von mir. Aber ich fand es als Anhaltspunkt gelungen. In beiden Vergleichsgrößen kann der Roman nicht mithalten. Es bleibt ein technokratischer Thriller um eine tolle Idee herum samt holpriger Love Story.

Lektüre beendet „Das letzte Wort“ (Alena Graedon)

„Die nahe Zukunft: Bücher, Zeitungen und Zeitschriften sind so gut wie ausgestorben – die Smartphones, genannt Mems, übernehmen für die Menschen jegliche Form der Kommunikation. Als Synchronic Inc., ein riesiger Computerkonzern, mittels einer Wörter- App die Sprache selbst monopolisieren will, kommt es zur globalen Katastrophe: Die App setzt einen Virus frei, der den Menschen das Sprachvermögen raubt – völliges Verstummen und im schlimmsten Fall der Tod sind die Folge. Einzig ein Geheimbund aus Linguisten und Lexikografen versucht, Synchronic Inc. aufzuhalten.“ (Quelle)

Die Grundidee einer Wortgrippe ist genial. Die Grundidee, dass ein Unternehmen bereitwillig eine solche kreiert, um später mit der vorgeblichen Heilung jener doppelt zu verdienen (leider) absolut plausibel. Die Vorstellung, dass bibliophile Seelen nicht so leicht von der Epidemie befallen werden, ist herrlich nostalgisch und romantisch zugleich. Doch, ach, die Protagonistin. Ich empfand sie als durchweg unsympathisch. Warum? Findz doch selba rgfnfnö Dudd  ss.

eBook-Vorstellung: „Der Architekt“ & „Underground“

Der Architekt

Autor: Jonas Winner 

Freunde von Psychothrillern werden sich die Hände reiben – ein neuer Winner. Aber auch ein neuer Gewinner? Die Voraussetzungen klingen schon einmal gut: Die Ermordung der Ehefrau des Berliner Stararchitekten Julian Götz sorgt für eine Mediensensation. Denn der Hauptangeklagte ist kein Geringerer als der Ehemann selbst. Doch nicht nur das – auch die beiden kleinen Töchter fielen des Nachts dem Blutrausch des Täters zum Opfer. Doch nun wird es recht spannend: Während alle Indizien auf Götz hindeuten, trumpft dieser plötzlich mit einem scheinbar wasserdichten Alibi auf. Der junge Drehbuchautor und Journalist Ben Lindenberger möchte diese Chance nutzen, mit einem spektakulären Buch über den Fall zu Bestseller-Ruhm zu gelangen, und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an. Doch wie nicht anders zu erwarten, ist dieser Weg brandgefährlich: Er gerät in einen Sog aus Machtgier, Intrigen, dunklen Geheimnissen und Begierden. ri

Underground. Ein Jack-Reacher-Roman

Autor: Lee Child 

Ja, vor Kurzem gab ein Mann endlich Jack Reacher ein Gesicht. Was? Sie wissen davon noch nichts? Bereits im Januar wird Tom Cruise dem Romanhelden sein Antlitz in einer wilden Actionhatz leihen. Wer bis dahin aber nicht warten möchte, kann sich schon einmal mit dem neuen Roman vergnügen: Der 13. Wurf der Reihe stellt eine ungemütliche Ubahn-Fahrt für den Serienhelden in den Mittelpunkt. Um zwei Uhr nachts sitzt er in einem der berüchtigten New Yorker Wagons – nur fünf Leute teilen dieses Schicksal mit ihm. Vier davon wirken auf Reacher harmlos. Die fünfte Person jedoch erregt Reachers Aufmerksamkeit. Minutenlang beobachtet er sie genau – und ist sich sicher, eine Selbstmordattentäterin vor sich zu haben. Doch dann geschieht etwas Unerwartetes, und ausgerechnet Reacher selbst gerät ins Kreuzfeuer. Was würde Cruise jetzt wohl machen?

Buchvorstellung „Oberst Huhn bittet zu Tisch“ (Axel Hacke)

Gourmets schätzen überbackenes Deutsch

Haben Sie schon einmal köstlich über die eigentümlichen Übersetzungen ins Deutsche auf Speisekarten in Restaurants im Ausland gewundert? Mussten Sie gar schmunzeln oder herzhaft prusten? Dann wird Ihnen Axel Hackes neues Hörbuch „Oberst Huhn bittet zu Tisch“ garantiert Freude bereiten.

Hacke ist ein Phänomen. Oder viel mehr sollte man sagen. Hacke weiß, was Hacke-Fans an ihm lieben. Er hat seine Nische gefunden, und er besetzt diese meisterlich, was nicht nur die vielen Preise und Auszeichnungen (u.a. der Egon-Erwin-Kisch-Preis 1987 und 1990), sondern auch die große Anzahl an Lesern und Hörern beweisen. Der gebürtige Braunschweiger lebt heute als Schriftsteller und Journalist in München. Von 1981 bis 2000 arbeitete er u.a. als „Streiflicht“-Autor bei der „Süddeutschen Zeitung“. Auch heute noch ist der Publikation verbunden: Unter dem Titel „Das Beste aus aller Welt“ schreibt für das SZ-Magazin seit Jahren eine erfolgreiche Kolumne.

Hackes Thema ist der Alltag. Was zunächst nach tröge und fad klingt, ist plötzlich ein unheimlich lustiges Phänomen, wenn Hacke es sich vornimmt. Er ist ein scharfer Beobachter, und es gelingt ihm mühelos, die Trivialität des Alltags in Komisches, manchmal sogar Surreales (wer denkt hier nicht an den väterlichen Freund Bosch, den Kühlschrank?) zu verkehren. Möchte man allerdings das ganze Hacke-Paket buchen, kommt man um eine Lesung oder eben ein Hörbuch nicht herum. Hier entfaltet sich der hack’sche Singsang zu einem humorvollen Gesamterlebnis. Und wir sollte es auch anders sein – „Oberst Huhn bittet zu Tisch“ profitiert gleichermaßen von der Schreibe wie der „Lese“ des Autoren.

Titelgebend für das Werk war übrigens ein Gericht, das auf der Speisekarte eines Hotelrestaurants in Dublin auftauchte und folgende Wendung bereithielt: „Oberst von Huhn Breitet sich drastisch in einer Weißweincreme aus, mit Penne Nudeln Federn und Parmesankäse“. Und siehe da, wie sich bald herausstellen sollte, sind ausländische Speisekarten eine wahre Fundgrube für derartige Kleinodien unheiliger Sprachverwirrung. Hacke hat die besten davon zusammen getragen und lässt sich nun auf dem Hörbuch ausführlich darüber aus. Alleine schon die Kapitel lesen sich Herz erwärmend: Egal, ob „Kleine HaHachen“, „Wurmbrustkorb zu Lamm“ oder „Peitschen Sie den Käse“, alles klingt hier nach einem reichhaltigen Menü für Audiofeinschmecker. Sollten Sie sich für dieses Menü entscheiden, sollten Sie etwa 6 streng-kulinarische Stunden einplanen.

Buchbesprechung J.K. Rowling – Ein plötzlicher Todesfall

Endlich! Nachschub von der Insel!

Warten. Warten bedeutet für den heutigen Postindustriemenschen dasselbe wie Krankheit. Warten bedeutet für den urbanen Browser-Tap-Öffner in erster Linie verschwendete Lebenszeit. Es ist ihr oder ihm nahezu unmöglich geworden, das Warten als etwas zu empfinden, das vielleicht auch Vorfreude ausstrahlt. Diese Menschen hassen es, in einem Zeitabschnitt gefangen zu sein, der bedeutet, man hängt zwischen Punkt A und Punkt B. Kurzum: Warten bedeutet für sie Verschwendung ihrer kostbarsten Ressource, nämlich ihrer Lebenszeit und stellt zugleich eine grausame Bestrafung des Instant-Action-Gottes dar. Dennoch konnten wir dem Warten bisher nicht Herr werden oder es gar abschaffen. Wir alle warten. Mürbe am Busbahnhof oder hypererregt auf die neue Folge der Lieblingsserie. Oder, um bei den geliebten Medien zu bleiben, auf ein neues Werk einer ins Herz geschlossenen Schriftstellerin.

Nennen wir sie, für diesen Augenblick, J.K. Rowling. Behaupten wir weiterhin, dass diese Autorin eine weltweit maximal erfolgreiche Reihe von Romanen abgeliefert hat. Doch irgendwann, sagen wir nach sieben Büchern, neigte sich dieser Zyklus dem Ende zu. Und die Stimmen der verwöhnten, scheinbar zielgruppenlosen, weil omnibegeisterten, Leserschaft wurden lauten, als sie fragten: Was kommt nach dem steilen Besenritt des Zauberlehrlings? Was ist danach? Geht es vielleicht doch weiter mit dem Knaben? Noch mehr Abenteuer als gestandener Mann? Seitens der Schriftstellerin jedoch Stille – und so begann das, worüber wir Eingangs so gelangweilt, nein, so angewidert, gar hasserfüllt sprachen – das Warten.

Doch nun ist er vorbei damit. Der Herbst 2012 wird eine Rückkehr Rowlings auf die Bühne der Neuerscheinungen feiern dürfen. Den ein oder anderen mag es überraschen, wieder Dritte hatten damit gerechnet – die Autorin wechselt Genre und Zielgruppe. Oder, um es noch klarer zu formulieren: Mit Zaubersprüchen und Hexenkräutern, Fabelwesen und Magieflüchen hat der neue Roman der britischen Schriftstellerin rein gar nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um einen lupenreinen Krimi – entsprechend wird das gute Stück auch mit dem Claim „J.K. Rowlings erster Roman für Erwachsene“ vermarktet. Na gut, immerhin bleibt man sich geographisch treu. Schließlich spielt auch der neue Stoff in England, um genauer zu sein, in der wunderschönen, idyllischen Kleinstadt Pagford. Doch wie so oft, gilt auch hier die Regel: Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

Mitten in der verträumten Marktplatzästhetik ereignet sich der namensgebende „plötzliche Todesfall“ – das Versterben des mitten im Leben stehenden und im Gemeinderat sitzenden Barry Fairbrother sorgt für Aufsehen. Und auch sonst ist Einiges im Leben der beschaulichen Siedlung geboten. Denn hinter der Fassade herrscht Krieg – und jeder mischt mit! Egal, ob Ehefrau gegen Ehemann, betucht gegen verarmt oder Schüler gegen Lehrer – Rowling fasst all die kleineren Scharmützel und größeren Schlachten ins Auge. Sollte ihr das mit einem ähnlichen erzählerischen Geschick gelingen wie zuvor im Falle ihres Zauberlehrlings – und dagegen spricht eigentlich nichts – können wir uns schon bald alle an einer neuen, bezaubernden Geschichte erfreuen. Und das Warten? Beginnt dann von vorn. Schade? Nein, gut so!

Eher Theodor Storm als laues Lüftchen? Stephen King – Wind

Wenn Sie – wie wir – mitten in der Pracht der zarten 30er stehen, ist die Chance große, dass auch Sie mit den Romanen Stephen Kings aufwuchsen. Der Autor war zu Schulzeiten in etwa das, was früher Karl May im Unterricht gewesen sein muss – nämlich Grund im Falle eines Lese-Ertappens durch den Deutsch-, Englisch und/oder Lateinlehrer für eine Abkanzlung der eigenen Persönlichkeit als schmieriger Konsument ausgegorener Schundliteratur mit Horrorheftchencharakter. Man möchte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber fast könnte das Lesen der King’schen Literatur als Akt der leisen und heimlichen Rebellion gegen vermeintliche Hochkulturliteratur deuten.

Nun, wahrscheinlich bleibt es eher bei „fast“. Als King schließlich irgendwann vom, traut man sich es zu sagen, „Establishment“ anerkannt wurde, war es uns schon wieder egal, da wir kaum noch King lasen. Gut, manch einer war natürlich hängen geblieben und wurde durch zahlreiche famos erzählte, spannend-unterhaltsame und verstörende Werke belohnt, aber für den Großteil der ehemaligen 7b und 8c blieb King doch eher der bärtige Mann hinter den durch Sonnenlichteinstrahlung gelblich verfärbten Seiten von „Es“, „The Stand“ oder „Misery“, die uns die älteren Geschwister feierlich mit geknickten Buchrücken und Eselsohren vermacht hatten, nachdem wir irgendwie nachts im Privat-TV die semi-schludrigen Fernsehadaptions-Produktionen von „Brennen muss Salem“ oder „In einer kleinen Stadt“ gesehen hatten. King – das bedeutete 10 Bücher in den Sommerferien durchboxen, das bedeutete Lesen unter der Bettdecke, ja, das bedeutete sogar manchmal, zu Autoren wie Richard Matheson oder Clive Barker zu finden. Weshalb locken die alten Jagdgründe nun seit ein paar Jahren wieder?

Die Antwort hat für viele Leser und Hörer drei Worte: „Der dunkle Turm“. Nicht weniger als sieben Bände war das Magnum Opus bisher stark, welches 1982 begann und von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als „vielgestaltige Pracht persönlichsten Weltzugangs“ gepriesen wurde. Der Genrebastard aus Horror, Liebesdrama, Western und Science Fiction bekommt nun aber Zuwachs: Der achte Band, „Wind“, spielt zeitlich zwischen Band vier und fünf und kann am besten als klassische Lagerfeuergeschichte charakterisiert werden: Roland Deschain, der letzte Revolvermann, und seine Gefährten suchen Schutz vor einem gewaltigen Sturm in einer verlassenen Hütte. Dort erzählt der Scharfschütze, was in seiner Jugend geschah, nachdem er …, doch halt, wir wollen niemandem etwas verderben, sagen wir einfach, er muss als junger Mann eine gefährliche Mission erledigen – sein Vater entsendet ihn auf eine einsame Ranch.

Dort kann man seines Lebens nicht mehr sicher sein, denn angeblich treibt sich dort ein mordender Gestaltwandler herum. Nur einen einzigen Zeugen gibt es – einen kleinen Jungen! Kann Roland ihn schützen und zugleich dem grausigen Treiben ein Ende bereiten? Doch das ist nicht die einzige Frage, die King-Freunde momentan umtreibt. Schon seit Langem geht das Gerücht einer Verfilmung des Dark-Tower-Zyklus, der sich bisher über 30 Millionen Mal verkaufte, um. Mal in Form eines Filmes, mal als Mini-Serie geplant, sickern in regelmäßigen Abständen Neuigkeiten zu diesem Thema durch. Manche davon werden erweisen sich als Ente, andere halten sich hartnäckig. Die Zeit jedenfalls scheint reif, wirft man einen Blick auf ambitionierte und erfolgreich realisierte Serienprojekte wie „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“, die zuvor nicht wenigen Fans als unverfilmbar galten. Nicht unterschlagen möchten zu guter Letzt, dass bereits seit 2007 Roland den Schwarzen Mann bei Marvel als Comicprotagonist verfolgt. Es gab nie einen besseren Zeitpunkt als jetzt, sich wieder dem König zu unterwerfen.

eBook-Tipps: Kaminer & Noll

WLADIMIR KAMINER – Onkel Wanja kommt. Eine Reise durch die Nacht

Familienzusammenführung der originellen Art: Der todkranke Onkel Wanja besucht seinen Neffen Wladimir in Berlin und zusammen machen sie sich auf eine unterhaltsame Reise durch die nächtliche Stadt. Ein Spaziergang als Mini-Roadmovie – gewohnt stark.

INGRID NOLL – Über Bord

Mit mörderischen Geschichten kennt sich Ingrid Noll aus: Auch in „Über Bord“ lässt sie ein eigenwilliges Figurenpersonal in einem Dreigenerationenhaus und auf Kreuzfahrt aufeinandertreffen. Und was bitte schön ist schon skurriler als Familie? Eben.