Lektüre beendet „Autonom“ (Annalee Newitz)

„In ihrer Science-Fiction-Geschichte erkundet US-Autorin Annalee Newitz die Sexualität und Liebe zwischen Mensch und Maschine. Ein kluger Debütroman über Künstliche Intelligenz und ein Aufruf zu mehr Offenheit.“ (Quelle)

In dieser Welt möchte man verweilen. Sie ist faszinierend und abschreckend zugleich, kurzum – sie lässt einen als Leser nicht kalt, nicht indifferent zurück und das ist doch im Grunde schon einmal die halbe Miete. Newitz hat diese Welt zudem mit einigen interessanten Charakteren bestückt – das gibt es einen ehemaligen Kindersexsklaven und einen Roboter, der sich (nicht nur seine Sexualität!) finden möchte.

Die Lektüre eignet sich für ein verregnetes Wochenende. Und ich hoffe, Newitz legt nach.

Lektüre beendet „Identität“ (Francis Fukuyama)

„In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der demokratischen Staaten weltweit erschreckend schnell zurückgegangen. Erleben wir gerade das Ende der liberalen Demokratie? Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, Autor des Weltbestsellers Das Ende der Geschichte, sucht in seinem neuen Buch nach den Gründen, warum sich immer mehr Menschen antidemokratischen Strömungen zuwenden und den Liberalismus ablehnen. Er zeigt, warum die Politik der Stunde geprägt ist von Nationalismus und Wut, welche Rolle linke und rechte Parteien bei dieser Entwicklung spielen, und was wir tun können, um unsere gesellschaftliche Identität und damit die liberale Demokratie wieder zu beleben.“ (Quelle)

Fukuyama traut dem Nationalstaat einiges zu. Geht es nach ihm, so ist es dieser, welcher mittelfristig als einer Akteur in der Lage sein wird, universelle Tugenden aufzusetzen (und vorzuleben), die die zunehmende Anzahl an sich immer weiter fragmentierenden Identitäten einfangen (ein Konzept, das sich die neue Rechte einfach von links abholte und daraus Klientelpolitik bzw. Wahlerfolge schusterte) und zu einem funktionierenden, liberalen, demokratischen Staatswesen zusammenführt.

Lektüre beendet „Fantasyland: 500 Jahre Realitätsverlust – Die Geschichte Amerikas neu erzählt“ (Kurt Andersen)

„‚Das postfaktische Zeitalter ist kein unerklärliches und verrücktes neues Phänomen. Im Gegenteil: Was wir jetzt sehen, ist nur die Spitze des Eisberges‘, schreibt Kurt Andersen in seinem aufsehenerregenden Buch Fantasyland. Der Hang zum Magischen und Fantastischen, so der preisgekrönte Kulturjournalist, ist tief in die kollektive DNA der Amerikaner eingeschrieben. Er entstand, als europäische Siedler erstmals den Boden der »Neuen Welt« betraten, im Gepäck vor allem eins: ausgeprägten Individualismus und Lebensträume und Fantasien von epischem Ausmaß. Mitreißend und eloquent erzählt Andersen vom großen amerikanischen Experiment – und warum es so spektakulär scheiterte. Wer verstehen will, wie die Grenze zwischen Realität und Illusion derart verrutschen und ein Mann wie Donald Trump es ins Weiße Haus schaffen konnte, muss dieses Buch lesen.“ (Quelle)

Nur für Hunde, nicht für Katzen – Batzen! Jawohl, die 700 Seiten sind wirklich eine ganz schön geballte Ladung Kulturpessimismus. Aber auch mit optimistischen Untertönen – wenigen zwar, aber Andersen hat die Hoffnung noch nicht komplett aufgegeben, dass seine Landsmänner und -frauen wieder aus dem Fantasyland herausfinden.

 

 

Lektüre beendet „Wissenschaftstheorie“ (Holm Tetens)

„Was ist Wissenschaft? Was dürfen und sollen wir von ihr erwarten, was nicht? Diese Frage ist die Leitfrage der Wissenschaftstheorie. Holm Tetens versucht eine systematische Antwort. Dabei geht er auf die gegenwärtige Stellung der Wissenschaften innerhalb unserer Kultur ein und thematisiert Fragen wie die nach der Zuverlässigkeit des wissenschaftlichen Prognosewissens, nach dem auffälligen Streit der Experten in fast allen wichtigen Fragen und nach dem Unterschied zwischen dem wissenschaftlichen und anderen, zum Beispiel religiösen Weltbildern.“ (Quelle)

Um es abzukürzen, mit der vorliegenden Einführung sollte eigentlich jede(r) genau das bekommen, was sie/er sich von dem Titel versprochen hat. Besonders gut gefallen hat mir das Kapitel, in dem der Autor Geistes- und Naturwissenschaften gegenüberstellt (und sie nicht trickreich gegeneinander auszuspielen versucht).

Lektüre beendet „Spielwissen und Wissensspiele“ (Thomas Lilge / Christian Stein – Hg.)

„Wie hängen Wissen und Spiel miteinander zusammen und welchen historischen Veränderungen unterlag der Zusammenhang von Spiel mit Vorstellungen von Freiheit, Arbeit oder ökonomischen Theorien? Welche Möglichkeiten bietet das Computerspiel im medizinischen Bereich und ist das Computerspiel ein geeignetes Instrument für die Forschung? Diese und weitere für unser aktuelles gesellschaftliches Selbstverständnis zentralen Aspekte untersucht der Band. Internationale Expert_innen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Kunstgeschichte oder Gamedesign geben Antworten aus ihren unterschiedlichen Perspektiven und verweisen auf die Bedeutung einer weitergehenden interdisziplinären Auseinandersetzung mit der Kulturtechnik des Spiels.“ (Quelle)

Mein Fehler – da hätte ich einfach nochmal genauer nachsehen sollen, was sich drin versteckt. Die Entwickler-Interviews…hm…ich konnte da leider gar keinen nutzen für mich generieren. Aber ein paar flotte Zitate lassen sich aus einiges Essays generieren. Und wenn es dem Verlagswesen hilft, na, Ihr wisst ja, jeden Tag eine gute Tat. Und so.

Lektüre abgeschlossen „Würde“ (Gerald Hüther)

„Würde ist ein großer Begriff. Gleich in Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Doch was genau ist Würde? Was bedeutet es, wenn uns unsere Würde genommen wird, weil wir etwa in der digitalen Welt nur noch als Datensatz zählen oder im Netz geschmäht werden? Wenn wir uns selbst würdelos verhalten oder andere entwürdigen? Der Hirnforscher Gerald Hüther zeigt in seinem neuen Buch, dass Würde nicht allein ein ethisch-philosophisch begründetes Menschenrecht ist, sondern ein neurobiologisch fundierter innerer Kompass, der uns in die Lage versetzt, uns in der Vielfalt der äußeren Anforderungen und Zwänge in der hochkomplexen Welt nicht zu verlieren. Umso wichtiger ist es, dass wir lernen, die Wahrnehmung der eigenen Würde zu stärken. Denn: Wer sich seiner Würde bewusst ist, ist nicht verführbar.“ (Quelle)

Die Befähigung des Einzelnen, sich mit dessen Hilfe zum Subjekt des eigenen Lebens zu machen – das scheint Würde für Hüther zu bedeuten. Was alles dazugehört und was es wiederum ausschließt…scheint…etwas weich zu sein. Im Grunde verstehe ich seine Deutung als Menschsein ist speziell. Er ist sich seiner Subjekthaftigkeit bewusst und daraus ergeben sich Rechte und Pflichten. Wohin die „gelebte Würde“ oder „Würde in der Praxis“ jedoch zielen soll…nun, das lässt der Hirnforscher etwas (weit, zu weit) offen.

Comic-Lektüre beendet „Im Eisland. Band 2: Gefangen“

„Das zweite Jahr der Franklin-Expedition Januar 1846: Die Besatzungen der HMS Erebus und HMS Terror überwintern in der Arktis. Sie waren im Frühjahr 1845 unter dem Kommando von Sir John Franklin aufgebrochen, um als Erste die Nordwestpassage vom Atlantik in den Pazifik zu durchsegeln. Ein zweiter Todesfall, Erfrierungen und Depressionen in Dunkelheit und Kälte zermürben die Crew. Endlich kommt der Frühling, das Eis bricht auf und gibt Fahrrinnen frei. Doch das weitgehend unkartierte Seegebiet birgt Gefahren. Schließlich trifft Sir John eine folgenschwere Entscheidung und steuert die Schiffe mitten ins Packeis. Eine große Tragödie zerstört jede Hoffnung.“ (Quelle)

Wow. Schon Bd.1 hatte ich verschlungen und jetzt legt die Autorin so nach. Das ist wirklich unheimlich spannend erzählt und die Bildsprache ist explizit genug, um das Drama richtig anschaulich, aber nicht abstoßend, zu erzählen. Bd.3 ist damit gekauft, aber das stand sowieso schon fest.