Let’s-Play-Sichtung „The Space Between“

„The architect Martin Melanson, commissioned to build a theater, meets a woman named Clara, outside of his apartment complex at night. Attracted to each other, they visit the theater’s building site. While they explore the unfinished stage, surrounded by scaffolds and lost in thoughts, reality slowly fades, where the curtain opens and a dark play about closeness and separation begins.“ (Quelle)

Arthouse-Horror! So heißt es. Unterschwelliges, sage ich! Und tolle Score.

Münchens Indie-Entwickler im Gespräch.

Prolog

Der folgende Text schaffte es leider nicht dorthin, wohin er sollte. Kein Grund, ihm kein Forum zu bieten. 

Eine der größten Besuchermessen für digitale Spiele – die gamescom 2011 in Köln – steht vor der Tür. Allerdings liegt man falsch, dächte man, nur Amerikaner oder Japaner haben in dieser Branche etwas zu sagen. Rudolf Inderst traf drei kleinere bayerische Entwicklerstudios, um mit ihnen ein wenig über ihren Alltag in München und ihre Erwartungen bezüglich der kommenden Leitmesse zu sprechen.

Alexander Zacherl, Gründungsmitglied der Indie-Softwareschmiede BitBarons ist ein aufgeweckter junger Mann, ständig wandern seine Augen umher, stets unterstreicht er seine Antworten mit überschwänglichen Gesten und wippt nervös auf seinem Schreibtischstuhl auf und ab. An seinem Arbeitsplatz, einem mit Soft- und Hardware aus allen Epochen vollgestopften Büro, wo ich ihn an einem ruhige Freitag Nachmittag treffe, ist es ruhig. Ein Kollege hat seine Kopfhörer auf, Zacherl nippt an seiner Cassis-Schorle. Das Büro ist in einem Gebäudeflügel der Mediadesign Hochschule München untergebracht. Etwa seit Mitte 2010 arbeiten Zacherl und seine Kollegen unter der Label BitBarons. „Zuvor hingen wir zwar auch schon gemeinsam ab, aber aus förderungstechnischen Gründen haben wir uns erst ab einem bestimmten Zeitpunkt offiziell zusammengefunden.“ Gefördert werden die jungen Männer durch den Europäischen Sozialfond und das Deutsche Wirtschaftsministerium. Dort verspricht man sich natürlich auf lange Sicht die Etablierung einer starken Computer- und Videospielebranche, denn diese gilt seit vielen Jahren als umtriebiger Wachstumsmarkt. Das aktuelle Vorzeigeprodukt der BitBarons hat in diesem Zusammenhang recht gute Chance – etwa vor einem Monat erschien ihr Titel Astro Slugs, ein kreatives Rätselspiel, für das iPad und avancierte recht schnell zu einem ausgewachsenem Geheimtipp. Zwar ist der Firmensitz in Giesing, allerdings, so meint Zacherl, findet das soziale Leben der Entwickler eher in Haidhausen statt, Giesing sei da „nicht so ergiebig“. Der gebürtige Münchner beschreibt sein Verhältnis zur Landeshauptstadt durchaus zwiespältig. Es sei in erster Linie ein arbeitsames und akzeptables Leben. Auf die gamescom am schönen Rhein angesprochen, bekommt er leuchtende Augen. „Der Messe vorgeschaltet findet eine große Entwicklerkonferenz, die GDC Europe, statt. Dort werde ich selbst einen Vortrag halten.“

Auch Sebastian Bender von Wolpertinger Games erklärt mir, dass die Wurzeln des Kernteams an der Mediadesign Hochschule München liegen, man suchte und fand sich dort bereits 2008. Stolz berichtet er vom Abschluss-Spieleprojekt Phobos, für den das Studio den Gamesload Noewcomer Award 2009 einheimsen konnten. Doch ein Studio definiert sich immer nur über den nächsten Hit und so arbeitet man bereits fleißig am nächsten Spiel. Keep the Sheep soll es heißen und wird vom FilmFernsehFond Bayern gefördert. Das Studio empfinde München als „gemütlich, familiär und kreativ“, so Bender. Regelmäßig zieht es das Team nach getaner Arbeit in die heiße Zone zwischen Gärtnerplatz und Sendlinger Tor, wo auch das Büro liegt, das man sich mit einem weiteren kleinen Entwicklerstudio namens Chimera Entertainment teilt. Hört man den Jungs länger zu, gewinnt man den angenehmen Eindruck, dass an all dem Gerede von Freundschaft in der Münchner Entwickler- und Studioszene mehr dran sein könnte als nur Floskel. Nicht nur deshalb, meint Bender, sei man traurig, dieses Jahr nicht auf der gamescom dabei sein zu können. Selbstredend beobachte man die aktuellen Entwicklungen und Trends, die in Köln Thema sind, aber ganz genau: „Die gamescom und angeschlossene GDC Europe sind fantastische Veranstaltungen, die es jedes Jahr schaffen, den Fokus der Welt auf Deutschland und die deutsche Spielebranche zu lenken.“  

Als gleichermaßen „teuer, vielseitig und aktiv“ beschreibt der dritte Gesprächspartner, Sebastian Grünwald von Reality Twist, München. Das Studio mischt in der Branche seit drei Jahren mit und konzentriert sich dabei sehr stark auf den mobilen Markt. Dabei tritt Grünwald sehr selbstbewusst auf. Als einziger Indie-Entwickler sei man auf der Politiker-LAN, einer Veranstaltung, um deutschen Politikern im Bundestag das Phänomen digitale Spiele näher zu bringen, eingeladen gewesen. Das Portfolio von Reality Twist ist tatsächlich recht vielfältig: Mal steht ein Flugsimulator im Mittelpunkt des Schaffens, mal sorgen Hakenkreuze in Nachkriegs-Abenteuerspielen für Aufregung. Eher geheimnisvoll wird Grünwald, wenn es auf das Thema gamescom kommt: „Wir werden mit einem völlig neuen Konzept auf der Messe sein, das wir leider noch nicht verraten können.“ Insgesamt ist die Messe aber auch für Reality Twist „eine hervorragende Möglichkeit, die aktuellen Impulse hautnah mitzunehmen und praktisch jeden aus der Branche zu treffen.“ Recht flexibel zeigt sich das Studio, wenn es um die Mittagspause geht: In Laufnähe zum Firmensitz am Leuchtenbergring befindet sich die Kultfabrik, wo gutes Essen und daher ebenso gute Gespräche mit Kollegen möglich warten. Allerdings unterstreicht Grünwald auch, dass die eigenen vier Bürowände auch eine soziale Spielwiese sein sollten. Spieleabende für Angestellte, Bekannte und Freunde finden daher regelmäßig statt.