Streaming-Sichtung „Sneakerheadz“

„With equal measures of bemusement and amazement, co-directors David T. Friendly and Mick Partridge zip around the world to examine a shoe-centric subculture in “Sneakerheadz,” their fleet and fly documentary about the designing, retailing, trading and fanatical stockpiling of unique sneakers — or kicks, as those who know the lingo call them — that drive obsessed collectors to a variety of extremes.“ (Quelle)

Verprügelt, um an seine Sneaker zu bekommen. Erschossen, um seine Turnschuhe zu erhalten. The Dark Side. So heißt eines der Chapter, das die Schattenseite des Mode-Wahns beleuchtet. Und tatsächlich hat man das Gefühl, dass dieser Teil der Doku nicht nur als billiger Zeigefinger seinen Weg in die 85 Minuten fand.

Doch keine Sorge – und das wissen in meinem Bekanntenkreis die üblichen Verdächtigen wie Boris, Fabian und Dieter – Sneakerheadz bleibt stylish genug, um die Bewegung und die Köpfe dahinter reichlich abzufeiern. Und der Soundtrack – ja, der knallt.

Und Tokio? Bleibt Styler-City No.1.

Album gelauscht „Jazz Liberatorz – Clin D’Oeil“

„The French hip-hop trio Jazz Liberatorz had a small release in 2007, but made their mark with 2008’s Clin d’Oeil. The album reclaims the brief love affair between hip-hop and jazz that took place in the U.S. in the mid-’90s, using deep basslines, sampled horns, and beat poet-styled phrasings from a slew of guest MCs. The sound is ultra-cool, combining European hip-hop’s love of slicker, more urban beats with the simplest jazz instrumentation — atomic chunks of sound and songs that are reworked to soften the edges of a rapped delivery and convert it to a strong flow through sheer musicality.“ (Quelle)

Hm, ein Album, das auch schon wieder fast 10 Jahre auf dem Buckel hat und doch so leicht in den Gehörgang geht wie am ersten Tag. Obgleich weit entfernt von Easy Listening, konnte ich es gerade wunderbar zum Korrigieren einer BA-Arbeit genießen.

Feine Kost.

Von 1992 bis 2015 – wenn der TOPF zu seinem (Sarg-)deckel geht.

Ich höre Rap. Aber ich bin es nicht. Dazu bin ich zu vielfältig. Dazu ist Rap zu vielfältig. Daher fällt es mir schwer, über Lieblingsgenre, Lieblingsband und Lieblingsrapper zu sprechen. Ich weiß, dass ich zwischen 1997 und 2003 richtig viel Blumentopf, eine (nicht „die“, aber „eine verdammt großartige“) Münchner HipHop-Band hörte.

Ich bin kein Konzertfan. Konzerte sind immer Gedränge, Sound der nicht so abgemischt wird, wie man will und eine Songauswahl, die man so nicht selbst gepickt hätte (ja, Konsument, so ist das, der Künstler will am Ende auch noch ein wenig Restfreiheit haben); entsprechend wenige Live-Auftritte sah ich vom Topf. In der BMW-Welt, am Königsplatz, am (von mir sonst so gehassten) Tollwood und in der Muffathalle – ich glaube, das war es schon.

Welche Acts kommen denn aus München – und mir fiel in meiner Ignoranz immer nur Main Concept ein. Und eben…der Blumentopf. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen? Vielleicht lag es an der Klasse der Band, das sich neben ihr so wenige Local Acts in meinem Kopf festsetzen konnten? Wer weiß.

Ich erinnere mich, zwischen 2005 und 2009 mit irgendwem aus der Band bei einem Freund HALO 2 im Multiplayer gespielt zu haben – ich erinnere mich, dass derjenige ziemlich gut war. Vielleicht ist das meine wertvollste Erinnerung? Für den Rest habe ich das hier gebastelt.:

Kein Zufall: Zu „Reden ist Schweigen“ aus dem Fenster gesehen und nachgedacht. Warum war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Rap aus Deutschland so clever?

Grosses Kino: Heimlich und manchmal nicht so heimlich autobiografisch geweint zu „Was‘ der Handel?“ und wild genickt zu „Seelen in Silben“

Eins a: Grün vor Neid geworden bei „R’N’B“ wegen der vielen tollen Einfälle.

Gern geschehen: Über die vielen sperrigen Beats stolpern, aber dann doch von „Da läuft was schief“ abgeholt werden.

Ausstieg bei Musikmaschine: Danke dennoch für „Profis“.

Viel Glück. Danke, dass Ihr auf Tape, Vinyl, CD und als MP3-File dabei seid. Die Band geht, aber sie bleibt bei doch mir.

Album abgehört „Hawaiianischer Schnee“ (Umse)

Mit großer, großer Erwartung starrte ich meinen Downloadbalken an. Bisher hatte mich noch kein Umse-Album enttäuscht. Würde es auch diesmal so sein? Die Vorab-Releases hatten bereits ihren festen Platz als Ohrwürmer eingenommen, und Zusammenarbeiten mit Jokaz UND Aphroe? HALLO? Wie deutlich wollen die mir noch sagen, dass ich die CD holen soll? Ja, CD! Als Download. Okay, die Laserdisc hätte ich auch gekauft.

„Das (kurze) Warten hat ein Ende. Nach nur etwas mehr als einem Jahr kehrt Umse mit einem neuen Release im Gepäck zurück. Am Ende muss eine Platte „bloß gut sein, keinen Schwanz hier interessiert konkret wie lange man an ihr saß, es zählt wie lange sie rotiert“, äußert er sich dahingehend. Es ist das dritte Album auf seinem Label, Jakarta Records, „Hawaiianischer Schnee” heißt es. Geschrieben und konzeptioniert wurde die Platte in einem kleinen Landhaus in der niederländischen Provinz Gelderland. Für die gesamte Produktion zeichnet sich wie immer Deckah höchst selbst verantwortlich, der im RZwoDrehZwo Studio der Platte den letzten Schliff verlieh. Die Beiden sind „Chef in Sachen Sound, ein Traumduo, ein Ein-Raum-Studio, kein großes Equipment und das ist auch gut so“.  Seit 1997 ist Umse aka. Christoph Umbeck schon dabei und ist sich stets treu geblieben, ohne den bitteren Unterton, der viele MCs seiner Generation in 2015 auszeichnet. Nach wie vor „keine Zeit für vier Gänge, nur ne Bockwurst auf die Hand“, nach wie vor dutzende Shows jedes Jahr zwischen Konstanz und Kiel, nach wie vor „Sternstunden zur Rush Hour“. Anerkennung findet der Ratinger mittlerweile auch bei den Helden des Ruhrpott-Sounds –Aphroe (RAG) und Dike beehren ihn mit einem Feature auf „Hawaiianischer Schnee“. Trotzdem ist das neue Album kein „hawaiianischer Schnee von gestern“. Umse gelingt es wie auf seinen Vorgängeralben den schmalen Grad zwischen Trademarksound und ausprobieren zu meistern. Von vielschichtigen Betrachtungen über „Menschen“, zu klassischen Rap Tracks wie „Hawaiianischer Schnee“ bis hin zu Sozialisationsbetrachtungen auf „Wer bist du“. In den letzten Jahren findet sein Treiben nun vor immer größerem Publikum statt, harte Arbeit zahlt sich eben aus.“ (Quelle)

Kurzum: Ich würde mich wundern, wenn das Ding nicht mein Album des Jahres würde. Es ist entspannt, aber treibend, man schmunzelt, aber nickt Kopf hart. Und obwohl Kiffen nicht so mein Ding ist, kann ich das dem „kleinen Schlitzohr“ schon nachsehen, da er just als solider Techniker am Stizzlometer Beats der alten Schule von Deckah zum Brennen bringt.

Filmsichtung „Straight Outta Compton“

So gut hat sich Musik im Kino wohl noch nie angehört. Bretthart und extratrocken donnern die Beats durch die Saalboxen und die Musikverkäufe und Bezahldienst-Playlisten dürften heiß laufen. Achso, wir reden ja immer noch über einen Film. Hm, okay. Da es mich sowieso interessiert hat, wie das mit der Band wohl so war, war der Film eine willkommene Nachhilfestunde.

CD abgehört „The Krupplyn Edition“ (Jokaz)

„Auf den 17 brandneuen Tracks thematisieren die beiden MCess Fritz Fresh und Elsta ihre Wege im Schatten der flackernden Lichter der Großstadt, durch die Clubs und Kneipen, auf und vor die Bühnen der Jams, in die Parks der Stadt und durch die Tiefen ihrer Gedankengänge. Einziger Featuregast neben SBK Basement „Young Gun“ Flip Ferocious ist Umse, der im März sein Album Wachstum veröffentlichte. Die samplelastigen Beats von Fritz Fresh, Yves the Chief und Till Gates klingen organisch, roh, dabei gepaart mit einiger Finesse und verleihen dem Album in Kombination mit den Cuts von Dj WolloW und Dj Word Up eine eigene Note. Krupplyn stand up!“ (Quelle)

Dass die Jungs das Album (man beachte das wunderschön gestaltete Cover) für einen ZEHNER verticken…ist ILLEGAL günstig. Denn den Sound, den man erhält, ist die Bombe. Ein wirklich famoses Album, das zeigt, dass sich die Crew seit 2010 musikalisch weiterentwickelt hat, aber ihren Themen wortgewaltig treu blieb. Sehr gut.