Hörspiel abgehört „Tucui“

„Eine abenteuerreiche Reise ins postindustrielle Europa des Jahres 2070. Nach siebenjähriger Suche hat der Indio Tucui aus Equador die heiße Spur zu seinem Widersacher Peri gefunden – eine Spur, die ihn nach Zürich führt, in ein Stadtquartier namens Ussersihl. Wie der Großteil der übrigen Welt besteht es aus vielen ‚Bolos‘, aus unabhängigen Lebensgemeinschaften, die ein buntes Nebeneinander der Kulturen und gesellschaftlichen Regeln bilden und nur durch die schnellen Wege des Luftverkehrs miteinander zusammenhängen. Kein Hauch von jenem universalen Überwachungsstaat, den die Pessimisten am Beginn des elektronischen Zeitalters im zwanzigsten Jahrhundert vorhersagten. Oder doch? Denn jenes Bolo, in dem Tucui schließlich auf den gesuchten Widersacher trifft, wird zur Keimzelle einer neuen Herrschaft über die Erde, von der sich auch die Pessimisten des 20. Jahrhunderts nichts träumen ließen, und die geradewegs hineinführt in ein neues Mittelalter.“ (Quelle)

Autor: Anonym
Produktion: DRS 1983, 84 Min. (Stereo) – Originalhörspiel dt.
Genre: Science Fiction
Regie: Ruedi Straub

Hm, ob es nun gleich ein „neues Mittelalter“ ist, in das hineingeführt wird, bleibt offen, aber endlos scheint das Texterherz. Immerhin geht es um totale Überwachung. Eine interessante Reise, auf die uns Tucui mitnimmt.

Streaming-Sichtung „Snowpiercer“

Snowpiercer ist ein Science-FictionActionfilm aus dem Jahre 2013, der auf den französischen Comics Schneekreuzer (Le Transperceneige) von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette basiert. Es ist der erste englischsprachige Film des südkoreanischen Regisseurs und Drehbuchautors Bong Joon-ho, der durch den 2006 erschienenen Monsterfilm The Host weltbekannt wurde. Die Produktionskosten betrugen 40 Mio. US-Dollar.[3] In Südkorea hatte der Film seine Premiere am 31. Juli 2013 und lief am 1. August 2013 in den Kinos an. Der deutsche Kinostart war am 3. April 2014.“ (Quelle)

Endlich habe ich diesen durchaus überraschenden SciFi-Film nachgeholt: Überraschend deshalb, weil ich ihn mir in seiner Figurenzeichnung weitaus weniger skurril vorgestellt hatte. Da gibt es die gemeine alte Hexe, zwei Anzugträger, die wie Zwischengegner in einem Videospiel wirken, eine Handbeil-Gang, wie man sie aus koreanischen Mafiathrillern kennt, einen Helden, der ein wohlschmeckendes Geheimnis am Ende preisgibt und einen Gegenspieler, der Kinder als Maschinenteile benutzt (wobei das im Grunde nicht skurril, sondern Alltag in der Textilindustrie sein dürfte).

Eines vorweg (#Schpeular)

„So, for me, it’s a very hopeful ending … But those two kids will spread the human race … I don’t really feel everyone must die. I hope there were other survivors who lived through the avalanche, […] outside the train, life is actually returning. It’s nature that’s eternal, and not the train or the engine, as you see with the polar bear at the end.“   (Director Bong Joon-ho)

So, ist das erstmal aus dem Weg, kann man gleich viel entspannter über den Film sprechen. Aber eigentlich habe ich schon alles gesagt. Untergangsszenarien sind mein Shit. Dieses hier finde ich super: Klassenkampf auf engstem Raum inkl. Menschheitsaufdemspielstehung. Die Exposition ist ebenfalls super: Chemtrails – ich habe es ja gewusst!!!

DVD-Sichtung „Doctor Who – Genesis of the Daleks“

Genesis of the Daleks is the fourth serial of the twelfth season of the British science fiction television series Doctor Who. It was written by Terry Nation and directed by David Maloney, and originally broadcast in six weekly parts from 8 March to 12 April 1975 on BBC1. In the serial, the Fourth Doctor (Tom Baker) and his companions Sarah Jane Smith (Elisabeth Sladen) and Harry Sullivan (Ian Marter) are sent by members of the Doctor’s race, the Time Lords, to the time of the Daleks‚ creation, to avert their future terrorisation of other species. The Doctor faces the dilemma of whether he has the right to do so.“ (Quelle)

Wer es nicht früher schon verstanden hat – was im Grund kaum möglich ist – wird hier hoffentlich endlich die Augen (mit dem Schlagstock des Faschismus) geöffnet bekommen. Mit der Herkunftsgeschichte der Dalek und der Einführung des Erschaffers Davros wird der Begriff SciFi-Nazitum endgültig ausbuchstabiert.

Vorbei die Zeiten des Gadget-Doktors – hier wird düster gevölkermordet, übergelaufen, verraten, geschlagen, ausgesondert und pseudo-wissenschaftlich Rasse verargumentiert: ja, es sind düstere Zeiten in dieser Who-Folge. Und mittendrin ein uneitler, unsicherer, überforderter Doktor, der fortlaufend gedemütigt und geprügelt wird und dennoch seine humanistische Haltung nie aufgeben möchte (und der Preis dafür zahlt bzw. zu zahlen bereit ist).

„But the final responsibility is mine, and mine alone. Listen, if someone who knew the future pointed out a child to you and told you that that child would grow up totally evil, to be a ruthless dictator who would destroy millions of lives, could you then kill that child?“

Hörspiel beendet „Bürger Z 560031 B drückt seinen Knopf nicht mehr“

Dystopischer Gesellschaftsentwurf über die Trennung von Unter- und Oberschicht. Erstere bekommt Psychopharmaka und wird durch unnütze Simpel-Aufgaben beschäftigt. Doch eines Tages droht die Katastrophe…

Ich mag sie einfach, die kleinen gemeinen schwarzutopischen Würfe. Auch dieser ist äußerst gelungen.

Produktion: SDR, 1977

Lektüre beendet „Tomorrow & Tomorrow“ (Thomas Carl Sweterlitsch)

„Die nahe Zukunft. Vor zehn Jahren wurde bei einem Anschlag die Stadt Pittsburgh vollständig ausgelöscht. Mithilfe eines gewaltigen Datenarchivs konnte die Stadt jedoch als virtuelle Simulation wiederhergestellt werden. Hier ermittelt John Dominic Blaxton unaufgeklärte Verbrechen, und insbesondere ein Fall lässt ihn nicht los: Das Bild einer wunderschönen Frau, die ermordet wurde, wird offenbar aus dem Archiv und damit aus der virtuellen Realität gelöscht. Auf der Suche nach Antworten stolpert Dominic über eine grauenvolle Entdeckung.“ (Quelle)

Erneut geht mein Dank an zukunft.de, über die ich an diesen Titel geriet. Ich bin von Tomorrow & Tomorrow sehr angetan; ohne den Zeigefinger zu heben, doch zu jeder Zeit normativ-deskriptiv genug zeigt TCS LeserInnen, in welche sich eine Gesellschaft entwickelt könnte, die sich einem lähmend-dekadent-unpolitischen Cocktail aus Konsumerismus und Virtualität komplett hingibt. Und zwischendrin, zwischendrin…lauert dieser hyperbrutale, abschreckende Thriller, in dessen Zentrum eine verlorene, aber doch tatkräftige Figur steht.

Faszinierend.