Lektüre beendet „INFOMOCRACY“ (Malka Older)

„It’s been twenty years and two election cycles since Information, a powerful search engine monopoly, pioneered the switch from warring nation-states to global micro-democracy. The corporate coalition party Heritage has won the last two elections. With another election on the horizon, the Supermajority is in tight contention, and everything’s on the line. With power comes corruption. For Ken, this is his chance to do right by the idealistic Policy1st party and get a steady job in the big leagues. For Domaine, the election represents another staging ground in his ongoing struggle against the pax democratica. For Mishima, a dangerous Information operative, the whole situation is a puzzle: how do you keep the wheels running on the biggest political experiment of all time, when so many have so much to gain?“ (Quelle)

Ja, ja, West Wing meets Snow Crash und so. Das ist natürlich ein mächtiger Vergleich. Er stammt auch nicht von mir. Aber ich fand es als Anhaltspunkt gelungen. In beiden Vergleichsgrößen kann der Roman nicht mithalten. Es bleibt ein technokratischer Thriller um eine tolle Idee herum samt holpriger Love Story.

Lektüre beendet „The American Spirit. Who We Are and What We Stand For“ (David McCullough)

„A timely collection of speeches by David McCullough, the most honored historian in the United States—winner of two Pulitzer Prizes, two National Book Awards, and the Presidential Medal of Freedom, among many others—that reminds us of fundamental American principles.“ (Quelle)

McCulloughs kann in zwei Sachen kaum geschlagen werden: Sowohl sein US-Optimismus und seine Freude an historischen Persönlichkeiten sind kaum zu bremsen. Und das macht richtig Spaß. Man möchte nicken. Eifrig. Denn es ist ansteckend. Um zu vergessen, was alles „schief“ lief und läuft – das läuft unter „waren ja auch nur Menschen“ beim Autoren. Die Kunst der Rede ist dennoch unheimlich präsent und ich würde lügen, wenn ich nicht nach den ersten Seiten bereits Lust verspürt hätte, selbst zu Stift und Papier zu greifen.

Lektüre beendet „Hit Makers: The Science of Popularity in an Age of Distraction“ (Derek Thompson)

„In Hit Makers: The Science of Popularity in an Age of Distraction (Penguin Press, 344 pp.), Thompson, a senior editor at The Atlantic, has written a wonderful book full of such wonderings. He wonders all over the place, as befits a man who likes Shakespeare as well as the movie Dumb and Dumber.“ (Quelle)

Da ist Herrn Thompson tatsächlich etwas sehr Unterhaltsames gelungen! Dass der Hit zwischen „neophob und neophil“ liegt, man eine „gefühlte Wahrheit“ sein, doch der Autor steigt nicht eine, sondern mindestens drei Etagen tiefer ein und hat dabei noch locker Zeit, um über sein eigenes Werk zu plaudern. Schön.

Lektüre beendet „But What If We’re Wrong?“ (Chuck Klosterman)

But What If We’re Wrong? is a book of original, reported, interconnected pieces, which speculate on the likelihood that many universally accepted, deeply ingrained cultural and scientific beliefs will someday seem absurd. Covering a spectrum of objective and subjective topics, the book attempts to visualize present-day society the way it will be viewed in a distant future. Klosterman cites original interviews with a wide variety of thinkers and experts (…). Klosterman asks straightforward questions that are profound in their simplicity, and the answers he explores and integrates with his own analysis generate the most thought-provoking and propulsive book of his career.“ (Quelle)

Wer Angst vor Relativismus hat, dem kann man das Buch nur bedingt ans Herz legen, geht es doch (auch) um die radikale Infragestellung der selbst vermeintlich umumstößlichsten Wahrheiten. Für alle anderen gilt:

„Replete with lots of nifty, whimsical footnotes, this clever, speculative book challenges our beliefs with jocularity and perspicacity.“ (Quelle)

Lektüre beendet „Dieser Volkszähler“ (China Miéville)

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„Auf einem Berg oberhalb des Brückendorfes, in einem abgelegenen Haus, lebt ein Junge mit seinen Eltern. Der Vater ist Schlüsselmacher und wird weithin für seine Kunst gerühmt. Oft steigen die Leute den Berg hinauf und tragen ihr Anliegen vor. Von den Schlüsseln erzählt man sich, dass sie magische Kräfte haben, und niemals sieht der Junge die Kunden seines Vaters ein zweites Mal. Doch dann wird er Zeuge einer grausamen Tat und muss hinunter ins Dorf fliehen. Die Leute dort erwarten ihn bereits und wollen wissen, was geschehen ist. Außer Atem, mit blutigen Händen und zitternd vor Angst erzählt der Junge, seine Mutter habe seinen Vater erstochen. Sicher ist er sich aber nicht. Vielleicht war es auch der Vater, der die Mutter getötet hat.“ (Quelle)

Eine ungewöhnliche Erzählung. In mehrfacher Hinsicht. Eine Lektüre, die mehr Fragen aufwirft als sie zu beantworten. Eine Autorensprache, die in ihrer Trostlosigkeit die Umwelt, in der die Geschichte spielt, meisterhaft inszeniert und begleitet. Miéville versucht sich an einer kognitiven Vivisektion und besteht mit grau-brauner Bravour. Ein wunderbarer Auftakt für mein Lesejahr 2017.

Lektüre beendet „Deconstructing History“ (Alun Munslow)

„Few historians now maintain that they write „the“ truth about the past. Deconstructive readings of history and sources have changed the entire discipline of history. In this text the author examines history in the postmodern age. He provides an introduction to the debates and issues of postmodernist history. He also surveys the latest research into the relationship between the past, history and historical practice as well as forwarding his own challenging theories. The author details issues of both empiricist and deconstructionist positions and considers the arguments of major proponents of both stances. The text includes: an examination of the character of historical evidence; exploration of the role of historians; discussion of the failure of traditional historical methods; chapters on Hayden White and Michel Foucault; and an evaluation of the importance of historical narrative.“ (Quelle)

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Dieser reaktionäre Schmierfink ohne Sinn und Geist machte mir die Kaufentscheidung leicht. Ich orderte sofort (am liebsten zweimal).

Okay, die Wahrheit ist eine andere. Ich kam via YouTube auf den Historiker.

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Ich kann die Positionen aus Munslows Werk sehr gut nachvollziehen und hege große Sympathien für sie. Seine Sprache ist angenehm, seine Überlegungen klar strukturiert – sie holen den Leser immer dann ab, wenn er droht, etwas nicht zu verstehen.

Lektüre beendet „Klo-Philosoph“

„Der durchschnittliche Bundesbürger verbringt jeden Tag zweimal sieben Minuten auf der Toilette. Jeden Tag verschwenden wir so vierzehn Minuten, aber was wäre, wenn wir diese Zeit nutzen könnten, um wirklich sinnvolle Dinge zu lernen? Wenn das Badezimmer, statt nur ein Raum der Erleichterung zu sein, zum Raum der Erleuchtung werden würde? Der Klo-Philosoph macht das möglich. In 100 Sitzungen erfahren wir, was Aristoteles mit Batman gemeinsam hat und was eine leere Toilettenpapierrolle auf unserem Kopf mit Hedonismus zu tun hat.“ (Quelle)

Das tut keinem weh und liefert genau das, was es verspricht. Ab aufs Klo und ein wenig geschmöckert. Dieses Geburtstagsgeschenk beendete ich zwar im ICE nach Frankfurt, aber die ursprüngliche Intention kam auch ein paar Mal zum Tragen. Ehrlich. Und! So ganz nebenbei sind die Inhalte dann doch nicht – versprochen. Für einen Partyabend ist man mehr gerüstet.