Comic des Jahres 2018

Gerade ging ich durch meine Comic-Rundschauen des Jahres 2018, um eine Art von Short-List anzufertigen und stellte dabei mit Schrecken fest, es waren erstens nur vier Reviews und innerhalb dieser hielt sich meine Begeisterung für den gelesenen Stoff merklich zurück. Kein gutes Zeichen.

Allerdings: Kein gutes Zeichen für mich als Leser, weniger für die Comic-Landschaft, denn 2018 war, glaubt man Stefan Mesch und der gewählten Headline für Deutschlandfunk Kultur ein „großartiges Jahr“.

Ich entschied mich in diesem Jahr für LOCKE & KEY: HIMMEL UND ERDE.

Dieser Band präsentierte im Februar als deutsche Erstveröffentlichung drei neue Geschichten aus der Welt von LOCKE & KEY, gewohnt gekonnt inszeniert von Autor Joe Hill und Zeichner Gabriel Rodriguez.

 

DISCLAIMER: Vielen Dank auch in diesem Jahr an Panini Comics und Weissblech, die mich und meine Arbeit hier mit vielen Rezensionsmustern unterstützten.

Kino-Film des Jahres 2018

Ist es nicht irgendwann albern einen Film des Jahres küren zu wollen, wenn man sich vornimmt, dass in eben jener Kategorie ausschließlich Streifen zur Wahl stehen, die nicht nur a) im Kino „konsumiert“ wurden und b) Festivalfilme nicht zählen?

Daher habe ich beschlossen, zumindest mich von Kategorie b) zu lösen, um über die schauderhaft geringe Anzahl meiner Kinobesuche hinweg zu täuschen.

So standen auf dem Menü:

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Hinzu kamen vier Festivalfilme: Lodgers, Cold Skin, Terrified und Prospect

Kategorie (1) – ENTTÄUSCHUNG

Jurassic World: Das gefallene Königreich, Murder on the Orient Express

Kategorie (2) – ANGENEHME ÜBERRASCHUNG

Terrified

Kategorie (3) – MEINE TOP-3

III) Mission Impossible: Fallout

II) Avengers: Infinity War

I) Isle of Dogs

TV-Serie des Jahres 2018

…oder sollte man diese Kategorie (erneut) diejenige der „Das Angesagte sehe ich immer ein Jahr später 2018“ nennen? Nun, lassen wir es so dahingestellt.

Wie schief LOST IN SPACE hätte gehen können. Ist es aber nicht. Wie schön fotografiert THE ALIENIST (S1) war, mehr Substanz war dann aber nicht. Welch starken Momente ALTERED CARBON (S1) aufwies, aber mit einer völlig unsympathischen und nichtssagenden Hauptrolle ausgestattet. Wie bemüht THE GHUL (S1) war, echten Terror zu entwickeln, aber scheiterte. Wie scheinbar mühelos THE SINNER (S1/S2) durch das Spiel Bill Pullmans aufgewertet wird. Wie einfach es ist, sich in die Sprache in BROADCHURCH (S3) zu verlieben. Welch soliden Start DOCTOR WHO (S11) trotz des Hass-Gegenwindes hinstellte!

Doch meine Serie des Jahres lautet 2018 The Haunting of Hill House!

Man weiß nicht, ob man eher das Familiendrama oder den Grusel zuerst bewundern soll. Man weiß nur, hier wurde packende Unterhaltung geschaffen!

 

Musikalbum des Jahres 2018

Gefreut wie ein Schnitzel hatte ich mich Anfang des Jahres auf das neue Curse-Album „Die Farbe von Wasser“, das schließlich mit „Manuskript“ vielleicht eines der besten Instrumentals des Jahres ablieferte.

Dann knallte ein weiterer Rückkehrer auf meine Ohren: Jaws „Die Unerträgliche Dreistigkeit des Seins“ wirkte wie ein Dich festhaltender Mann in einem fremden Land, der Dir eindringlich etwas mitteilen will, ganz nah an Dein Gesicht kommt und – dennoch – Du verstehst ihn nicht. Aber Du spürst die Wucht.

Neu-Entdeckung des Jahres – der frische und doch vertraute Sound eines Dortmunder Duos namens Kunstfabrik.

Das Album des Jahres ist für mich – und das ist kein Wunder – Umses „Durch die Wolkendecke“. Erst brachte der Ruhrpott-Rapper im Mai die sechs Track starke „Flammenwerfer“-EP und Ende September schließlich ein neues Album, das ich auf einer Autobahnfahrt gleich drei Mal nacheinander hörte. Absolute Bombe auf dem Album: „Bruce Banner“.

Mein Rückblick auf das Spielejahr 2017

Es war 2005, als ich zum ersten Mal an der LMU München mein Dissertationsvorhaben zu Vergemeinschaftsprozessen in Online-Rollenspielen  im Rahmen des Oberseminars vorstellte. Nachdem ich fast 60 Minuten gesprochen hatte, regte sich die erste Wortmeldung: Statt einer Frage fiel jedoch der folgende Satz aus dem Gehege der Zähne: “Du hast so Glück. Du darfst immer spielen.” Dass der Satz mit großen Augen staunend ausgesprochen worden war, verlieh dieser sozialen Situation noch mehr Tragik als nötig. Jetzt – zwölf Jahre später – verschwand das Jahr 2017 fast komplett im Endspurt der zweiten Dissertation. Zwischen Save-Games, Speedruns und Let’s Plays blieb kaum noch Zeit, unabhängig vom “strikten, akademischen Spielplan” das Pad in die Hand zu nehmen. Aber natürlich gibt es dennoch genug Kriegsgeschichten von der Xbox One! Die erste lautet: 2017 ist 2016. Denn – Gears of War 4 beschäftigte mich weiterhin. Und es ist natürlich der Horde-Modus, der Stunde um Stunde als Podcast-Begleitung läuft.

Doch seit November hat er Konkurrenz: Das gewohnte PEW-PEW-PEW der aktuellen Call-of-Duty-Iteration im Hardcore-Team-Deathmatch ertönt gedämpft, während Deutschlandfunk Nova fleißig mein Spotify-Konto Richtung 20.000 Minuten treibt (wie die bunte Statistik zeigt) und auf Twitter die unheiligen Reste von #gamergate sich mit den Feinden von #metoo verbrüdern als ob es kein Morgen mehr gäbe. Oder nur eines, in denen hyperschwule Politikgamesredakteure sich im Menstruationsblut gewalttätiger Holzbein-Linkshänder-Lesben wälzen würden, während der Muselmann zum Gebet ruft und dabei weiße Christenmänner enthauptet.

So, was gab 2017 noch her? Verdammt packende erste dreißig Minuten bei Resident Evil 7, zum Beispiel. Und mit Go Tell Aunt Rhody auch meinen Soundtrack-Ohrwurm des Jahres. Gerade summt er mir wieder durchs Hirn. Hinfort! Mein Gegenmittel: Sich etwas traurig an Destiny 2 erinnern, welches ich nach etwa zwei Stunden Spiel abbrach. Das Schlimme: Ich weiß gar nicht so sehr, weshalb eigentlich. Je länger ich es auf jemanden oder etwas schieben möchte, desto größer und härter wird der Schuld-Cookie. Tapfer bleiben. Weiter. Keine Zeit. Sehr große Freude machten mir Let’s Plays von Nier: Automata und Horizon Zero Dawn. Besonders ersterer Titel zog mich in seinen Bann. Die vielen Zwischentöne. Das Graue. Apropos Grusel: Das erste Outlast gefiel mir besser. Auf den Befehl von Christian Huberts ließ ich mich auf Tacoma ein – und bereute es keine Sekunde. Dabei versuchte ich immer wieder, das Spiel in einen gemeinsamen Kontext mit SOMA zu stellen. Dies wollte mir nicht so recht gelingen, aber ich bin überzeugt, dass etwas diese beiden Titel verbindet. Es menschelt im All. In mehrfacher Hinsicht. Observer überraschte mich da eher wie der kalte Duschstrahl des Wintermorgens.

Bleibt also die besinnliche Frage nach dem Spiel des Jahres. Für mich ist das 2017 What Remains of Edith Finch. Was für ein emotionales Feuerwerk! Es mag daran liegen, dass ich parallel House of Leaves las…in meinem Kopf vermischten sich Inhalte, ergänzten sich absurde und tragische Erzählstränge, bildeten Untertöne zerbrechliches Eis, in das LeserInnen und SpielerInnen jederzeit einbrechen könnten, wie sie sich zu sehr auf das Medium einlassen … was sie aber sollen, damit das Lustvolle sie wie ein schwerer Mantel bedeckt. Sie atmen den schweren Stoff, schätzen die Wärme, hassen es jedoch, wenn es kratzen sollte.

Und 2018? Gespannt bin ich auf einen neuen Versuch dem Großmeister gerecht zu werden – Call of Cthulhu. Heulsusen-Emokost 1a hole ich mir mit Steins;Gate Elite. Vielleicht schenkt uns das vierte Quartal einen neuen Halo-Teil, dann bin ich freilich auch an Bord. Dem Schießbefehl werde ich bei Anthem wohl ebenso folgen. Vielleicht ein wenig Detroit: Become Human? Rückwärts gedacht, werde ich mir sicherlich die Jahresrückblicke der nahaufnahmen.ch-KollegInnen, aber auch die anderer Redaktionen ansehen, um den einen oder anderen Titel nachzuholen. Auch ohne Loot-Wut.

Loot…wie lautet da eigentlich der gegenteilige Begriff? Verzicht? Zurückhaltung? Beides trifft auf meine Hardware-Bestrebungen zu. Nachdem im Januar die PS4 meine Wohnung verlassen hatte, wurde sie nicht ersetzt oder gar gegen ein Pro-Modell ausgetauscht. Eine Nintendo Switch nahm ich zwar interessiert zur Kenntnis (vor allem, weil offenbar endlich wieder Third-Party-Produkte am Start sind), aber einen Kauf schenkte ich mir – genau wie den der Xbox One X (Scorpio wäre im Übrigen ein gleichermaßen ungeschickter Name gewesen!). Die Entscheidung dagegen liegt einerseits in der Spieleauswahl und andererseits am fehlenden TV. Okay, das 77-Zoll-Modell mit 4K, HDR und OLED liegt bei Sony aktuell nur bei 19.999 Euro – da sollte ich es nochmals überdenken. Und das Mini-SNES? Schaue ich mir bei Freunden und Bekannten an.

Meine Top-3-Comics 2017

So langsam kommen wir hier bei FirstPersonWriter ins jährliche Ranking-Fieber. Nachdem gestern die Doctoren ihr Tardis abbekamen, geht es heute um meine Comics des Jahres.

Auf dem DRITTEN PLATZ landet dieses Jahr Band 15 der Stephen-King-Dark-Tower-Reihe: Der Seefahrer.

„Roland, der letzte Revolvermann in Mittwelt, ist unbeirrbar auf der Suche nach dem Dunklen Turm, um ihn vor dem Einsturz zu retten, damit nicht das gesamte Weltengefüge zugrunde geht. Viele Weggefährten sind dabei schon durch sein Verschulden auf der Strecke geblieben. Und sein Erzfeind, der Mann in Schwarz, hat ihm einst orakelt, dass Roland weitere Gefährten in seine Welt ziehen wird – und mit ins Verderben. Den Junkie Eddie Dean hat er schon aus dem New York des Jahres 1987 rekrutiert. Nun rekrutieren Eddie und Roland eine weitere Begleiterin: die Herrin der Schatten, eine Frau, die im Rollstuhl sitzt, seit sie von einem Zug überrollt wurde. Als kleines Mädchen wurde die spätere Herrin der Schatten zudem von einem Backstein am Kopf getroffen und leidet seitdem unter einer gespaltenen Persönlichkeit: Odetta Holmes und Detta Walker. Odetta ist eine höfliche, gebildete Bürgerrechtlerin. Detta ist eine wütende, gewalttätige Furie. Während die eine die beiden Gefährten bei ihrer Suche unterstützen will, ist die andere ein gefährliches Pulverfass.“ (Quelle)

Von allen Gefährten, die der Revolvermann bisher aus meinem Hut zauberte, ist die Herrin der Schatten die interessanteste Figur. Sie ist unberechenbar. Unbequem. Und ihre unterschiedlichen Seinszustände sind in Band 15 visuell toll eingefangen.

Auf dem ZWEITEN PLATZ richtet es sich der Sandman mit seinen Ewigen Nachten gemütlich ein.

„Death, Desire, Delirium, Dream, Despair, Destruction, Destiny. Die Crème de la Crème der internationalen Comic-Kunst illustriert Neil Gaimans jüngste Erzählungen aus dem Sandman-Kosmos – sieben neue Träume (und Alpträume) sowohl für Fans als auch für Einsteiger. Ob bittersüß, erotisch oder erschreckend, jede der wunderschönen Geschichten enthüllt seltsame Geheimnisse und überraschende Erkenntnisse. Nicht nur über die Ewigen. Auch über uns Menschen.“ (Quelle)

Tollkühn? Kraftvoll? Rauschartig? Ich habe noch nicht viel über den Sandman gelernt, aber eines habe ich mittlerweile verstanden: Genieße ihn in Dosen. Dann, ja dann, bläst er Dein Hirn durch wie heißer Fön!

PLATZ EINS hat sich dieses Jahr ein anderer Großmeister verdient: Der dritte Providence-Band von Alan Moore (und Jacen Burrows) ist mein Comic 2017.

„Auf seiner Recherche-Reise durch die okkulte Schattenwelt von Neuengland wird der Reporter Robert Black in den 1920ern mit unglaublichen Versuchungen und übernatürlichen Schrecken konfrontiert. Jetzt kommt Blacks Reise in die Finsternis, auf der ihm viele grauenhafte Menschen und schreckliche Kreaturen begegnen, zu einem Ende. Doch das Grauen aus den Schatten überdauert bis in die Gegenwart.“ (Quelle)

Bereits die ersten beiden Bände sprachen mich in höchstem Maße als ontologisch-grosteskes Schlachtfeld an. Seltsam-sorgsam transzendiert Moore Lovecraft’sche Empfindsamkeit und überzeugt mich dergestalt vollkommen.