eBook-Vorstellungen „Blackout“, „Sunset Park“ & „Momentum“

MARC ELSBERG – Blackout

Es ist das absolute Schreckensszenario des modern-urbanen Menschen: Mitten im Februar fallen in ganz Europa die Stromnetze aus. Der italienische Informatiker Piero Manzano und der Europol-Kommissar Bollard treten in einem Rennen gegen die Zeit an, um die Strippenzieher dieses Verbrechens dingfest zu machen.

PAUL AUSTER – Sunset Park

Wer sich auf Auster einlässt, weiß, dass es düster zugehen wird. Auch diesmal enttäuscht er nicht: Im Zentrum stehen 6 sehr unterschiedliche Menschen, die in einem besetzten Haus im heruntergekommenen Stadtteil Sunset Park in Brooklyn leben. Literarisch-politisches Amerika at it’s best.

ROGER WILLEMSEN – Momentum

Was zeichnet eigentlich einen Moment aus? Sind es Augenblicke von stimmungshafter Intensität oder sind es eher bemerkenswerte Situationen? Oder beides? Roger Willemsen hat da seine ganz eigenen, nachdenklichen, aber auch edukativen Ansichten. Wer Willemsen sucht, wird in diesem Buch zu 100% fündig.

Buchbesprechung J.K. Rowling – Ein plötzlicher Todesfall

Endlich! Nachschub von der Insel!

Warten. Warten bedeutet für den heutigen Postindustriemenschen dasselbe wie Krankheit. Warten bedeutet für den urbanen Browser-Tap-Öffner in erster Linie verschwendete Lebenszeit. Es ist ihr oder ihm nahezu unmöglich geworden, das Warten als etwas zu empfinden, das vielleicht auch Vorfreude ausstrahlt. Diese Menschen hassen es, in einem Zeitabschnitt gefangen zu sein, der bedeutet, man hängt zwischen Punkt A und Punkt B. Kurzum: Warten bedeutet für sie Verschwendung ihrer kostbarsten Ressource, nämlich ihrer Lebenszeit und stellt zugleich eine grausame Bestrafung des Instant-Action-Gottes dar. Dennoch konnten wir dem Warten bisher nicht Herr werden oder es gar abschaffen. Wir alle warten. Mürbe am Busbahnhof oder hypererregt auf die neue Folge der Lieblingsserie. Oder, um bei den geliebten Medien zu bleiben, auf ein neues Werk einer ins Herz geschlossenen Schriftstellerin.

Nennen wir sie, für diesen Augenblick, J.K. Rowling. Behaupten wir weiterhin, dass diese Autorin eine weltweit maximal erfolgreiche Reihe von Romanen abgeliefert hat. Doch irgendwann, sagen wir nach sieben Büchern, neigte sich dieser Zyklus dem Ende zu. Und die Stimmen der verwöhnten, scheinbar zielgruppenlosen, weil omnibegeisterten, Leserschaft wurden lauten, als sie fragten: Was kommt nach dem steilen Besenritt des Zauberlehrlings? Was ist danach? Geht es vielleicht doch weiter mit dem Knaben? Noch mehr Abenteuer als gestandener Mann? Seitens der Schriftstellerin jedoch Stille – und so begann das, worüber wir Eingangs so gelangweilt, nein, so angewidert, gar hasserfüllt sprachen – das Warten.

Doch nun ist er vorbei damit. Der Herbst 2012 wird eine Rückkehr Rowlings auf die Bühne der Neuerscheinungen feiern dürfen. Den ein oder anderen mag es überraschen, wieder Dritte hatten damit gerechnet – die Autorin wechselt Genre und Zielgruppe. Oder, um es noch klarer zu formulieren: Mit Zaubersprüchen und Hexenkräutern, Fabelwesen und Magieflüchen hat der neue Roman der britischen Schriftstellerin rein gar nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um einen lupenreinen Krimi – entsprechend wird das gute Stück auch mit dem Claim „J.K. Rowlings erster Roman für Erwachsene“ vermarktet. Na gut, immerhin bleibt man sich geographisch treu. Schließlich spielt auch der neue Stoff in England, um genauer zu sein, in der wunderschönen, idyllischen Kleinstadt Pagford. Doch wie so oft, gilt auch hier die Regel: Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

Mitten in der verträumten Marktplatzästhetik ereignet sich der namensgebende „plötzliche Todesfall“ – das Versterben des mitten im Leben stehenden und im Gemeinderat sitzenden Barry Fairbrother sorgt für Aufsehen. Und auch sonst ist Einiges im Leben der beschaulichen Siedlung geboten. Denn hinter der Fassade herrscht Krieg – und jeder mischt mit! Egal, ob Ehefrau gegen Ehemann, betucht gegen verarmt oder Schüler gegen Lehrer – Rowling fasst all die kleineren Scharmützel und größeren Schlachten ins Auge. Sollte ihr das mit einem ähnlichen erzählerischen Geschick gelingen wie zuvor im Falle ihres Zauberlehrlings – und dagegen spricht eigentlich nichts – können wir uns schon bald alle an einer neuen, bezaubernden Geschichte erfreuen. Und das Warten? Beginnt dann von vorn. Schade? Nein, gut so!

Eher Theodor Storm als laues Lüftchen? Stephen King – Wind

Wenn Sie – wie wir – mitten in der Pracht der zarten 30er stehen, ist die Chance große, dass auch Sie mit den Romanen Stephen Kings aufwuchsen. Der Autor war zu Schulzeiten in etwa das, was früher Karl May im Unterricht gewesen sein muss – nämlich Grund im Falle eines Lese-Ertappens durch den Deutsch-, Englisch und/oder Lateinlehrer für eine Abkanzlung der eigenen Persönlichkeit als schmieriger Konsument ausgegorener Schundliteratur mit Horrorheftchencharakter. Man möchte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber fast könnte das Lesen der King’schen Literatur als Akt der leisen und heimlichen Rebellion gegen vermeintliche Hochkulturliteratur deuten.

Nun, wahrscheinlich bleibt es eher bei „fast“. Als King schließlich irgendwann vom, traut man sich es zu sagen, „Establishment“ anerkannt wurde, war es uns schon wieder egal, da wir kaum noch King lasen. Gut, manch einer war natürlich hängen geblieben und wurde durch zahlreiche famos erzählte, spannend-unterhaltsame und verstörende Werke belohnt, aber für den Großteil der ehemaligen 7b und 8c blieb King doch eher der bärtige Mann hinter den durch Sonnenlichteinstrahlung gelblich verfärbten Seiten von „Es“, „The Stand“ oder „Misery“, die uns die älteren Geschwister feierlich mit geknickten Buchrücken und Eselsohren vermacht hatten, nachdem wir irgendwie nachts im Privat-TV die semi-schludrigen Fernsehadaptions-Produktionen von „Brennen muss Salem“ oder „In einer kleinen Stadt“ gesehen hatten. King – das bedeutete 10 Bücher in den Sommerferien durchboxen, das bedeutete Lesen unter der Bettdecke, ja, das bedeutete sogar manchmal, zu Autoren wie Richard Matheson oder Clive Barker zu finden. Weshalb locken die alten Jagdgründe nun seit ein paar Jahren wieder?

Die Antwort hat für viele Leser und Hörer drei Worte: „Der dunkle Turm“. Nicht weniger als sieben Bände war das Magnum Opus bisher stark, welches 1982 begann und von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als „vielgestaltige Pracht persönlichsten Weltzugangs“ gepriesen wurde. Der Genrebastard aus Horror, Liebesdrama, Western und Science Fiction bekommt nun aber Zuwachs: Der achte Band, „Wind“, spielt zeitlich zwischen Band vier und fünf und kann am besten als klassische Lagerfeuergeschichte charakterisiert werden: Roland Deschain, der letzte Revolvermann, und seine Gefährten suchen Schutz vor einem gewaltigen Sturm in einer verlassenen Hütte. Dort erzählt der Scharfschütze, was in seiner Jugend geschah, nachdem er …, doch halt, wir wollen niemandem etwas verderben, sagen wir einfach, er muss als junger Mann eine gefährliche Mission erledigen – sein Vater entsendet ihn auf eine einsame Ranch.

Dort kann man seines Lebens nicht mehr sicher sein, denn angeblich treibt sich dort ein mordender Gestaltwandler herum. Nur einen einzigen Zeugen gibt es – einen kleinen Jungen! Kann Roland ihn schützen und zugleich dem grausigen Treiben ein Ende bereiten? Doch das ist nicht die einzige Frage, die King-Freunde momentan umtreibt. Schon seit Langem geht das Gerücht einer Verfilmung des Dark-Tower-Zyklus, der sich bisher über 30 Millionen Mal verkaufte, um. Mal in Form eines Filmes, mal als Mini-Serie geplant, sickern in regelmäßigen Abständen Neuigkeiten zu diesem Thema durch. Manche davon werden erweisen sich als Ente, andere halten sich hartnäckig. Die Zeit jedenfalls scheint reif, wirft man einen Blick auf ambitionierte und erfolgreich realisierte Serienprojekte wie „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“, die zuvor nicht wenigen Fans als unverfilmbar galten. Nicht unterschlagen möchten zu guter Letzt, dass bereits seit 2007 Roland den Schwarzen Mann bei Marvel als Comicprotagonist verfolgt. Es gab nie einen besseren Zeitpunkt als jetzt, sich wieder dem König zu unterwerfen.

Buchbesprechung „Verteidigung“ (John Grisham)

Denkt man an juristische Krimikost, denkt man an John Grisham. Kein Wunder – nach 23 Romanen hat sich der ehemalige Rechtsanwalt Grisham längst in die Herzen der Genrefans geschrieben. Jetzt meldet er sich mit seinem neuesten Werk „Verteidigung“ zurück.

Die eigene Vita beschäftigt den Erfolgsautoren Grisham offensichtlich. Nur so ist es wohl zu erklären, dass in seinem neuen Roman „Verteidigung“ erneut ein Anwalt im Mittelpunkt des Geschehens steht. Diesmal geht es um David Zinc, der seit fünf Jahren als Anwalt bei Rogan Rothberg, einer der renommiertesten Kanzleien im Großraum Chicagos, arbeitet. Doch der Job fordert seinen Tribut – vom permanenten Arbeitsdruck entkräftet, bewirbt er sich bei Finley & Figg, einem Zweimannbetrieb, der seine Fixkosten durch Prozesse rund um Verkehrsunfällen und ähnliche Kleinstdelikte einholt. Dass die sprichwörtliche Not allerdings tatsächlich erfinderisch macht, erlebt David dort aus erster Hand – Einfallsreichtum und geschickte Winkelzüge sind das gut geölte Handwerkszeug der kleinen Firma.

Dann jedoch geschieht etwas, was das Leben der Anwälte auf den Kopf stellen könnte. Wally Figg zieht einen Riesenfisch in Form einer Klage gegen einen Pharmakonzern, der ein Medikament trotz möglicherweise tödlicher Nebenwirkungen nicht vom Markt nehmen möchte, an Land. Begeistert machen sich die Partner ans Werk, bis David erkennt, dass Finley & Figg die nötige Kompetenz für einen Prozess jener Größenordnung fehlt.

In „Verteidigung“ steht „die Pharmaindustrie“ als Synonym kapitalgeiler Kaltherzigkeit am Pranger – ein durchaus lohnender Antagonist, ein Schelm, wer jetzt an John le Carrés „Der ewige Gärtner“ oder „Die letzte Flucht“ von Wolfgang Schorlau denkt. John Grisham, hinter dessen Autorennamen die beeindruckende Erfolgsbilanz von über 250 Millionen gedruckten Romanen und 10 Filmadaptionen seiner Stoffe stehen, erschafft erneut eine packende Story. Konsequent und routiniert erzählt er seine Lieblingsgeschichte – die eines Individuums, das an das System glaubt, aber gleichzeitig von dessen Auswüchsen bedroht wird. Wie so oft, gelingt Grisham damit auch diesmal ein unterhaltsamer und spannender Pageturner.