Mini-Comic-Rundschau Juli 2018

Diesmal fanden lediglich zwei Veröffentlichungen den Weg von Panini Comics auf unseren Schreibtisch:

DOCTOR WHO – DER ZWÖLFTE DOCTOR 5: ROCK’N’DOC

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INHALT

Nach Claras Verschwinden reist der Zwölfte Doctor allein durch Zeit und Raum. Das hält ihn aber nicht davon ab, sich in Gefahr zu begeben und neue Abenteuer und Weltraumpunks lassen nicht lange auf sich warten. Da hilft nur noch, wenn der Doctor die E-Gitarre selbst in die Hand nimmt. (Quelle)

MEINUNG

Da tue ich mir jetzt echt schwer. Ich fand diese ganze Doctor-Who-greift-zur-Gitarre-Nummer immer schon sehr albern und überflüssig. Und jetzt nimmt dieses Motiv irgendwie so prominent diesen Platz im Comic ein? Okay, ich versuche es einfach mal zu ignorieren und schaue, was dann von der Geschichte übrigbleibt. Und siehe da – eine originelle Geschichte mit reichlich Tempo und Spaß.

STAR TREK/GREEN LANTERN: FREMDE WELTEN – SOFTCOVER

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INHALT

Hal Jordan und das Green Lantern Corps unterstützen inzwischen die Sternenflotte – und die kann jede Hilfe brauchen. Denn Sinestro herrscht über das Klingonen-Imperium, und Khan, der Erzfeind von Captain Kirk und Mr. Spock, kehrt zurück. Und diesmal trägt er einen roten Energiering! Wird der Zorn des Khan Kirks und Jordans Untergang sein? (Quelle)

MEINUNG

Es war ein Versuch. Ehrlich. Ich habe das machen wollen und … vielleicht auch mögen wollen. Aber es gelingt immer nicht im Geringsten, die beiden Sphären zusammen zu führen. Ich sehe die Bilder und die Dialoge vor mir, aber es klappt einfach nicht. Offensichtlich habe ich mich da überschätzt. Kognitive Null-Linie.

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Theaterstück gesichtet „Brave New World“

„In der Schönen Neuen Welt gibt es keinen Krieg, keine Eifersucht, keine Trauer, keine Krankheit, keine Armut, keinen Gott, keine Kunst. In Stabilität genießen die Menschen ihr Leben. Sie pflanzen sich künstlich fort, werden schon vor der Geburt in Kasten eingeteilt und so konditioniert, dass sie mit dem, was sie sind und haben, zufrieden sind.

Jeder gehört jedem, der leidbringende Individualismus ist abgeschafft – es regiert das Kollektiv. Jeder ist und fühlt sich nützlich – auch für beste Unterhaltung wird gesorgt. Und das Glück ist mit der Droge Soma jedem und jederzeit zugänglich. Lohnt es sich hier, für eine Freiheit zu kämpfen, nach der niemand mehr verlangt?

Aldous Huxley schrieb Brave New World als überspitzte Dystopie dessen, was im Erscheinungsjahr 1932 für die Zukunft möglich schien. Am Volkstheater wird der Klassiker der Weltliteratur nun auf seine Aktualität befragt: Wie sehr haben wir uns heute mit unserer Welt Huxleys Kosmos schon angenähert? Und: Ist die Schöne Neue Welt eigentlich wirklich so dystopisch?“ (Quelle)

Wer einen Dystopie-Klassiker medial verarbeitet, dem schaue ich ganz genau auf die Finger – und was ich auf der Bühne des Volkstheaters sah, sprach mich nicht an. Das ist diese schreckliche Kostümierung, welche mich an schreckliche 1990er-Ravepartys erinnerte und nur in den fadesten Köpfen noch Futurismus ausstrahlt. Eine weitere schlimme Sünde in meinen Augen ist der Einsatz von comic relief – es ist schlichtweg unpassend und vollkommen unnötig. Ja, und FRIENDS ist … ja so schrecklich Facebook-kritisch, Ihr seid solche Füchse!

Aber die größte Schwäche lauert in der Aufbereitung – warum hier der Münchner Merkur „eine wunderbare Liebeserklärung ans Theater selbst“ entdecken will, erschließt sich mir nicht. Keiner der Darsteller hat eine einnehmende Bühnenpräsenz – vor allem Silas Breiding als John brüllt sich durch das Stück, wirft die Arme auf und ab und nimmt der Figur dergestalt die Eindringlichkeit, die er ihr so zu geben glaubt.

Die weitaus interessantere Zugang wäre es gewesen, dem nüchternen Weltkontroller eine ebenso rationale Figur entgegen zu stellen, die pro Emotionalität argumentiert. Hier würden sich Figuren auf Augenhöhe begegnen.

Insgesamt eine in meinen Augen verschenkte Chance.

Seriensichtung „Altered Carbon“

Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm (Originaltitel: Altered Carbon) ist eine US-amerikanische Cyberpunk– und Science-FictionFernsehserie, die von Laeta Kalogridis konzipiert wurde. Die Serie basiert auf dem Buch Das Unsterblichkeitsprogramm von Richard Morgan, das 2002 erschienen ist. Die erste Staffel umfasst 10 Folgen und wurde am 2. Februar 2018 auf Netflix per Streaming veröffentlicht.“ (Quelle)

Mit Joel Kinnaman tat ich mir über den gesamten Zeitraum hinweg verdammt schwer. Ich sage das vermutlich ganz, ga-aaa-nz, selten, aber ich finde, ihm fehlt die schauspielerische Gravitas, um diesem Charakter die nötige (angeblich gebrochene) Tiefe zu verleihen. Ich sehe da immer einen kleinen blonden Kopf auf dem Körper eines austrainierten Besamungsbullen, der mit seinen Augen rollt, wenn er Schmerz darstellen möchte. Möchte!

Ganz anders hingegen: Chris Conner als Edgar Poe! Der wuchs mir gleich ans Herz!

Der Rest: Hier und da ein Wendung zuviel. Mit Gewalt wird wahrlich nicht gespart – vor allem gegenüber Frauenkörpern. Die Tür für eine Fortsetzung freilich steht weit offen.

Filmsichtung „Ready Player One“

Ready Player One ist ein Science-Fiction-Thriller von Steven Spielberg, der am 29. März 2018 in die US-amerikanischen und am 5. April 2018 in die deutschen Kinos kam. Der Film basiert auf dem Science-Fiction-Roman Ready Player One von Ernest Cline und ist in der Gamer-Welt der nahen Zukunft angesiedelt.“ (Quelle)

So, so, was ist denn nun die Take-Home-Message – achso, ja, nur die Realität ist real. Nun, dann wird man sich eben entscheiden müssen, ob im Slam den Rattenburger isst oder einen Akku auflädt. Aber der Film ist ein Wohlgefaller. Was in Ohio so passiert, nun ja. Das weiß man nicht. Mittelschicht verkleidet sich ein wenig als Slum.

Streaming-Sichtung „Die drei ??? und das verfluchte Schloss“

Die drei ??? – Das verfluchte Schloss ist ein deutscher Kriminalfilm aus dem Jahr 2009 und der zweite Teil einer geplanten Die drei ???-Trilogie. Der Film basiert in freier Adaption auf dem 1968 auf Deutsch erschienenen Band der Jugendbuchreihe Die drei ??? …und das Gespensterschloss von Robert Arthur (im Original: The Secret of Terror Castle, 1964). Der erste Teil, Die drei ??? – Das Geheimnis der Geisterinsel erschien im Jahr 2007. “ (Quelle)

Die Welt so keck: „Für westalgische Berufsjugendliche ist dieser längere Aufenthalt auf der Geisterbahn vielleicht nix“. Ich so – hm, ja, irgendwie schon. Es ist aber auch verdammt schwierig, diese netten Lauchs in eine US-Umgebung, die dort nicht man stattfinden darf zu packen. Justus sieht eher aus wie ein UK-Hooligan in spe, Bob wirkt als Figur wie jemand, der er selbst nicht sein will. Und Peter. Wenigstens Angsthase.

Streaming-Sichtung „Auslöschung“

Auslöschung (Originaltitel: Annihilation) ist ein US-amerikanisch-britischer Science-Fiction-Film von Alex Garland. Das Drehbuch, das ebenfalls von Garland stammt, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jeff VanderMeer. Die fünf Wissenschaftlerinnen, die mysteriöse Vorgänge aufdecken sollen, werden von Natalie Portman, Jennifer Jason Leigh, Gina Rodriguez, Tuva Novotny und Tessa Thompson gespielt. In den USA, Kanada und China war der Kinostart am 23. Februar 2018.[1] Die deutschsprachige Erstveröffentlichung fand am 12. März 2018 beim Streaming-Anbieter Netflix statt.“ (Quelle)

Anfang 2015 las ich VanderMeers Roman und ließ mich ohne Umschweife von dessen Art zu erzählen (oder besser: zu schildern) einfangen. Über Twitter erfuhr ich dann irgendwann, dass sich jemand an die Verfilmung machen wolle und verfiel in düstere, nach kurzer Zeit dennoch hoffnungsvolle Skepsis. Konnte diese seltsame Nüchternheit, die derart anziehend auf mich wirkte, übersetzt werden? Ein Turm, der zugleich Tunnel ist? Apropos Turm, meine Kinokarte für die Kinofrechheit Dark Tower hat mir der Verleih auch noch nicht erstattet. Paradoxe Vorstellungswelten wie diese brauchen einen Regisseur mit einem außergewöhnlichen Auge. Vielleicht sogar einer … „Vision“, um es ganz behutsam auszudrücken. Dass Garland ein solcher Filmemacher sein kann, hat er bewiesen. Dass er selbst schreiben kann, auch. Nun zeigt er auch, dass er träumen kann.

Die Distributionsumstände. Wo kommt der Film in die Kinos, wo ist er via Streamingdienst zu sehen? All das blendete ich aus. Aber dennoch könnte man festhalten: Statt einer weichgespülten, noch mehr als Massengeschmack angenäherten Variante des Stoffes einen Film „lediglich“ zuhause anzusehen empfinde ich als wenig nachteilig.

Ein kleines 13-Zoll-großes Notebook zog mich in diese Area X. Seifenblase der Entstellung und kraftvoller Ort gefährlich-neuer Imagination. Ich war der Sixth Man of the Year, als das fünfköpfige Team um Portman loszog. Ich war dabei, als Ben Salisbury & Geoff Barrow meine Ohren erstaunen haben lassen. Ich war dabei, als sich Existenzen und Entitäten derart fragmentierten und rekontextualisierten, dass eine eindimensional verstandene Postmoderne sich vorkommen muss wie betrunkene Gäste im Fahrgeschäft kurz vor dem Erbrechen im kreisrunden Strahl. Die Bausteine des Lebens. Durcheinander gewürfelt. Die Ideengeschichte? Ebenso.

Und doch: Über weite Strecken IST Annihilation ein konventioneller SciFi-Horrorthriller, der seine filmischen Vorbilder neu, unheimlich sowie bildgewaltig in Szene und Kontext setzt. Auch Tarkowskis Stalker ist eine Adaption. Seine „Area X“, seine „Zone“, ist ebenfalls ein rätselhafter Ort, der von Wissenschaft (Professor), Kunst (Schriftsteller) und Religion (Stalker) durchschritten wird. Doch möge man sich nicht täuschen – eine Sichtung des 1978/79 entstandenen Werkes zeigt rasch auf, wer hier Leviathan und wer Eidechse ist. Man möge schweigen. Man möge schweigen, bevor man Vergleiche bemüht. Wie angenehm diese Ruhe doch ist.

 

Streaming-Sichtung „FullMetal Alchemist“

„Alchemist Edward Elric will den Körper seines Bruder AI heilen, wird dabei jedoch von der Militärregierung und geheimnisvollen Monstern streng beobachtet.“ (Quelle)

Also, ich kannte mich nur sehr marginal mit dem Ursprungsstoff aus und hatte bisher nur Teile der Serie gesehen; hier wurde offensichtlich ein Drittel der gesamten Storyline in einen Film gepackt, der etwas überambioniert daherkommt. Die CGI-Effekte wirken heillos veraltet, das Spiel der Charaktere theatralischst. Dennoch hat man das Gefühl, dass die Produktion ihren Urstoff ernst nahm. Und der Hybridmoment „Vater-Tochter-Hund“ ist wirklich unbezahlbar.