Lektüre beendet „6 Uhr 41“ (Jean-Philippe Blondel)

„Cécile hat das Wochenende bei den Eltern verbracht. Am Montagmorgen sitzt sie erschöpft im Frühzug und ärgert sich, dass sie nicht doch schon am Vorabend zurück zu Mann und Kind gereist ist. Der Platz neben ihr ist frei, ein Mann setzt sich. Cécile erkennt ihn sofort: Philippe Leduc. Auch Philippe hat Cécile gleich erkannt. Doch sie schweigen geschockt. Beide. Jeder für sich erinnern sich Cécile und Philippe in den eineinhalb Stunden bis Paris, wie verliebt sie vor dreißig Jahren waren, als sie zusammen ein romantisches Wochenende in London verbringen wollten und dort alles aus den Fugen geriet. Je näher der Gare de l’Est kommt, desto mehr will man wissen: Endet die Reise dort, oder gibt es ein nächstes Mal?“ (Klappentext)

Wenn Judith von Sternburg für die Frankfurter Rundschau in ihrer Besprechung von einer „unerträglichen Intimität“ spricht, welche der Stoff atmet, kann ich nur nachdrücklich nicken, da ich ihr vollends zustimme. Die Figuren lassen keine Gelegenheit aus, um sich ihr Leben in herausfordernden Grautönen zu denken: Sei es familiäre Fragilität, das Scheitern von Liebes-Beziehungen oder die Endlichkeit des Seins – es bleibt wenig Platz für Durchatmen und vielleicht sogar noch weniger Raum für Humor.

Es sind diese an der Grenze zum Selbstmitleid wankende Ehrlichkeit (mit sich selbst) und die einzelnen Lichtblicke (in what-if-Form), die 6 Uhr 41 zu einem sehr lesenswerten Buch machen. Die Länge der Lektüre ist im Übrigen einer Zugfahrt angemessen – das sei aber nur am Rande angemerkt.

 

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