Verlorene Panelperle aufgetaucht!

Vor acht Jahren war ich in Potsdam auf einer Konferenz; offensichtlich hatte ich genug Zeit, zwischen den Vorträgen, diese kleine Horror-Action-Perle über Freund Reinhard zu verfassen:

Reinhard wusste, was zu tun war. Er hatte es dutzende Male getan. Doch er zögerte. Irgendetwas stimmte nicht. Es war anders. Es lag nicht daran, dass die Untote ein 12jähriges Mädchen war. Da hatte er schon ganz andere Schlurfer zu Brei geschossen! Aber diesmal fiel es ihm schwer, den Abzug zu betätigen. Und das Mädchen kam mit glasigen Augen immer näher. Er zögerte. Nicht, dass sie ihm leid tat. Da stakste sie auf ihn zu, mitten im Erblühen ihrer rosigen Jugend jäh aus dem sprießenden Leben gerissen. Pah, das passiert. Es war nicht der Gedanke an den tragischen Verlust dieses jungen Lebens, der ihn kurz innehalten ließ, bevor er eine Kugel durch den gierig-fauligen Rachen des untoten Mädchens jagte. Es war vielmehr ein kurzes Bedauern über das unerfüllte Potential an Körperlichkeit, das wie der Hauch eines unheilvollen Versprechens an ihm vorüber zog, kurz bevor ihr Schädel rückwärtig explodierte. Hätte er geahnt, dass er durch den Abzug seiner 44er die gesamte Großfamilie aus dem Keller locken sollte, hätte er sich vermutlich für seine Doppelaxt entschieden! Doch dafür (und für die Familie) war es zu spät.

Der Großonkel war der erste, der sein fauliges Haupt verlor, Tante Jasmin die nächste. Ruckzuck hatte der Boden sich in einen blutigen See der manischen Verdammnis verwandelt! Da hörte er plötzlich das gefährliche Knurren: „B O O M!“. Prosch zuckte zusammen. Mit dem Schuss hatte er nicht gerechnet, der sich frech löste, als er die mächtigste Handfeuerwaffe der Welt lässig in seine Hosentasche stopfte. Nun galt sein Interesse plötzlich nicht mehr der jenseitigen Großfamilie, sondern dem blutigen Pool rund um seinen zerschossenen Fuß. Ein leichter Schmerz machte sich bemerkbar – so musste sich diese seltsame Gicht anfühlen, von der ihm sein alter Kumpel Rudi immer vorgejammert hatte. Ein tapferer Mann. Schlimm, schlimm! Wo steckte dieser Kerl eigentlich? Hatte er nicht den Eingang bewachen sollen? Hatte er nicht hoch und heilig versprochen, ihm den verdammten Rücken frei zu halten? Was war geschehen? War er überwältigt worden. War er bereits Brei in den durchsiebten modernden Madenmägen mancher Mördermistbestien? Schon möglich, aber sollte er sich besser teuer verkauft haben – hier war noch nichts entschieden, aber die Großfamilie sah jetzt ihre Chance gekommen. Prosch lud die goldene AK. Es war Zeit.

Wie ein Leuchtfeuer zorniger Verheißung brannte die AK die Insignien ihrer Henkerskraft in Schädel auf Schädel. Doch es nutzte nichts. Als Prosch seinen zu Splittern zerschossenen Fußstumpf im Nahkampf in den Hals von Großonkel Ian einbrachte, reagierte dieser erstaunlich geistesgegenwärtig. Dafür, dass sein Geist verhältnismäßig eindimensional funktionierte. Eine ruckhafte Körperdrehung später rotierte er durch den Raum, Proschs Unterschenkel wie einen Haltegriff im Kehlkopf steckend – und Prosch griff zu, gerade bevor er das Gleichgewicht endgültig zu verlieren drohte. Nachladen war mit einem Mal anspruchsvoll geworden. Ein alter SAS-Trick rettete ihm das Leben. Die linke Hand warf eine auf zauberhafte Weise zur Erscheinung gebrachten Whiskeyflasche in die Luft, während sich Proschs zweiter Fuß genüsslich durch den Kopf des Angreifers bohrte. Der konnte nicht anders und lies von dem Hünen ab. Noch bevor Prosch auf dem Boden hart aufschlug, fanden die von ihm im Flug abgefeuerten Projektile den Alkohol, der im fauligen Bierbauch des Untoten steckte. Inferno!

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