Hörspiel gelauscht: Leviathan ’99 (Ray Bradbury)

„Die wahnwitzige Jagd eines Weltallkapitäns nach einem Riesenkometen, dessen Strahl ihn einst geblendet hat. Vor Jahrzehnten hatte ihm Leviathan bei seinem Vorbeiflug an der Erde nicht nur sein Augenlicht, sondern auch die Seele ausgebrannt. Besessen von seinem Wahn, jenes Ungeheuer zur Strecke zu bringen, schart er als Werkzeug für seinen Rachetraum eine bizarre Mannschaft aus launisch-grotesken Kindern des Alls um sich, darunter Ismael, der im Weltraum geboren wurde und den es wieder zu den Sternen treibt.

Während der endlosen Reise durch die Nacht bleibt der blinde Kommandant unsichtbar in seiner Kajüte, ruhelos und geheimnisumwittert. Mit einer Radarprothese als Ersatz für sein verlorenes Augenlicht sucht er sich unbeirrbar den Weg zu seinem Ziel, dem Seepferdnebel, aus dem ein Licht heller als alle anderen herausstrahlt. Erst als die Cetus 7 ihrem Ziel schon nahe ist, offenbart er der Mannschaft sein ungeheuerliches Vorhaben. Jetzt kann ihn nichts mehr von seinem Kurs abbringen. Eine ziellos treibende Raumwolke aus Rundfunkwellen vergangener Epochen ignoriert er ebenso wie den Hilferuf eines anderen Raumschiffes, und er weicht einem seltsamen Mond aus, der mit den toten Städten einer untergegangenen Zivilisation seinen Weg kreuzt.

Als er endlich Leviathan aufgespürt hat, fällt das Schiff dem rasenden Kometen zum Opfer. Mit seinen eigenen bloßen Händen will er nun das große, fühllose Schrecknis packen und wird so eins mit ihm, Wahn zum Wahnwitz hochgereiht, für alle Ewigkeit mit ihm verbunden, während die toten Körper der Mannschaft verstreut in Raum und Zeit umherfliegen, ihrer Lichtjahr-Grabesstätte entgegen. Die akustische Beschwörung des Weltraums und der Versuch, eine hochtechnisierte Welt mit mythischen Elementen zu verbinden und das Vokabular der Wissenschaft um eine poetische Sprache zu bereichern, machen die Faszination dieses Hörspiels aus, in dem Ray Bradbury die hintergründige Thematik von Hermann Melvilles Roman „Moby Dick“ in die Zukunft transportiert hat.“ (Quelle)

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