Unsere Comics des Jahres 2015

RUDOLF INDERST

Eines kann ich schon einmal ganz sicher sagen: Rein quantitativ gesprochen kam ich leider nicht dazu, die gewohnte Anzahl an Comics im Vergleich zu den Vorjahren zu lesen. Allerdings wissen Lektürefreunde selbstredend, dass ein entsprechend hochqualitatives Werk diesen – im Grunde – hochpeinlichen Umstand mehr als auszugleichen vermag. Und so habe ich nicht das Gefühl, vor Wut heulen und schreien zu müssen. Es ist mir dafür gelungen, meinen geschätzten Kollegen Michael Hochhaus für ein paar Zeilen zu gewinnen. Wenn es um Comics geht, stehe ich schon einmal gerne unangemeldet an seinem Schreibtisch und gehe ihm auf die Nerven. Doch wir wollen keine Interna nach außen kehren, sondern mit den Top-3 2015 loslegen:

1.) Wraith

Gleich zu Jahresbeginn flatterte mir meine persönliche Nummer Eins auf den Schreibtisch: Wraith von Joe Hill (ich weiß, ich weiß, das mag nun einen meiner treuesten Blog-Leser – nennen wir ihn M.Z. – schockieren). Drei Kriminelle entkommen beim Transport ins Gefängnis. Um nicht geschnappt zu werden, vertrauen sie sich Charlie Manx an, dem Fahrer eines 1938er-Rolls Royce Wraith, der sie ins Weihnachtsland bringt. Was es genau mit Manx und jenem schaurigen Ort, dem „Weihnachtsland“ auf sich hat, erfährt dann der Leser auf den kommenden Seiten, die in einem derart surrealen Grusel daherkommen, dass man sich zurecht fürchtet: Nicht zusteigen, wenn dieser Mann am Steuer sitzt. Und lasst Eure Kinder nicht aus den Augen!

2.) Hawkeye Megaband 2

Ende Oktober konnte ich endlich wieder von Figuren lesen, die ich seit Band Eins bereits ins Comic-Herz geschlossen hatte: die „Hawkeye-Crew“. Während Kate Bishop in Los Angeles ein hollywoodreifes Action-Abenteuer als Detektivin und Heldin zu überleben versucht, müssen Clint Barton und sein Bruder Barney in New York, ungeachtet aller Rück- und Tiefschläge, ihren Gegnern die Stirn bieten. Und das macht – auch wenn es zu so manchen kleinen, tragischen Momenten kommt – richtig, richtig Spaß. Die Geschichten sind einen Tick ungewöhnlicher als die Standard-Heldennummern und wirken so aufrichtig und frisch (ohne dabei derart ironisch gebrochen wie bei Dead Pool zu sein).

3.) Doctor Who – Der zehnte Doctor: Bd. 1: Herrschaft des Schreckens

Eigentlich stand hier der Wintersoldier-Megaband…und jetzt bin ich doch umgekippt. Aber eigentlich kann ich selbst nichts dafür! Es ist die Schuld G. Uycrushs! Wie kann man David Tennant nicht anhimmeln? Eben. Und so freute ich mich riesig, ihn auf seinen neuen Abenteuern zu begleiten, die mich reichlich Fan-Service und einer neuen Begleiterin ausgestattet sind. Oder sollte ich im Zuge einer Quasi-Anthropomorphisierung darauf beharren zu sagen, Leser erleben hier die Geschichte einer toughen, jungen Frau, die mithilfe eines Aliens ziemlich abgefahrenen Shizzle erlebt? Und das Beste? Der elfte Doktor klopft schon an.

MICHAEL HOCHAUS

Im Gegensatz zum Rudolf habe ich es doch geschafft in 2015 relativ viel zu lesen. Man muss sich halt auch mal disziplinieren …

Es war jedenfalls auch für mich ein sehr gutes Jahr, denn die Mainstreamcomics (Snyders „Batman“, die neuen X-Männer, Superman usw.) machten gerade sehr viel richtig und es sieht aus, als würde es so bleiben. Auch im franko-belgischen Bereich erscheinen viele tolle neue Sachen und im Klassikerbereich erscheinen tolle (Wieder-)Entdeckungen, wie die Neuausgabe von „Corto Maltese“, Hachettes Marvel Classics etc. Die Tops des Jahres, sind aber diese hier:

1.) Ms. Marvel 1

Seit den 70ern war Carol Danvers als „Ms. Marvel“ im Einsatz, bis ihr 2012 der Posten des Captain Marvel angeboten wurde (so werden wir sie wohl auch im kommenden Kinofilm sehen) – der Platz wurde also frei – und ein Fan übernahm. Kamala Khan ist eine Muslima, Tochter pakistanischer Einwanderer, ein Fangirl von Superhelden und muss sich mit den täglichen Widrigkeiten des Lebens in Jersey City rumschlagen. Als sie von einer geheimnisvollen Kraft erwischt wird (siehe das vorherige Marvel-Event „Infinity“) verwandelt sie sich in ihre Lieblingsheldin – „Ms. Marvel“ und muss nun neben dem üblichen Mist, der so anfällt, auch noch die Welt retten. Das Ganze ist unglaublich unterhaltsam geschrieben, mit viel Witz und tollen Dialogen. Dazu gibt es wunderschöne, teils surrealistische Zeichnungen. Sowohl Marvel als auch DC starteten in letzter Zeit eine Vielzahl von Nebenserien, die vom Schreibstil, als auch vom zeichnerischen weg gehen vom üblichen Superheldenmainstream und eher ein Indi-Feeling haben (auch den genannten „Hawkeye“ zähle ich dazu) und fast alle sind wunderbar zu lesen. Diese Reihe ist dabei ein besonderes Highlight.

2.) Petit – Riesen wie Götter

Petit ist der Sohn eines Geschlechts von Riesenkönigen, dass ihr Menschen-Volk seit Generationen unterdrückt (und als Hauptspeise verputzt). Da Petit aber nicht viel größer als ein normaler Mensch ist, wird er vom Vater verstossen und zum Tode verurteilt. Doch die Mutter rettet ihn und übergibt ihn der Obhut der Tante, welche wegen ihrer Freundlichkeit zu den Menschen arrestiert wurde. Der heranwachsende Petit muss mit den Jahren entscheiden, welcher Bestimmung er folgen möchte: als Nachfolger des Königs die Gewaltherrschaft übernehmen oder die Menschen von den Riesen befreien. „Petit“ ist ein komplexes Meisterwerk aus Frankreich, erzählt mit grimmigem Witz, bei welchem einem nur zu oft ein Klos im Hals stecken bleibt. Die schwarzweißen Bilder erinnern mit den einfach gestalteten Gesichtern und den großen Augen an einen klassischen Disney-Trickfilm – bis sich ein Riese wieder einen armen Knecht in den Rachen schiebt und die Illusion zerstört. Das ganze präsentiert der Verlag Reprodukt in Deutschland als edle Hardcoveredition mit goldenen Veredelungen. Eine Augenweide im Regal!

3.) Ekhö – Spiegelwelt 3: Hollywood Boulevard

Seit seinem „SinBad“ bin ich bekennender Fan von Vielschreiber Arleston. Das war in letzter Zeit leider nicht so ganz einfach, denn einige neue Reihen und die x-ten Troy-Spinoffs konnten nicht mehr so ganz überzeugen. Doch dann kam „Ekhö“ und alles war wieder gut. In „Ekhö“ landet die junge und hübsche Ludmilla zusammen mit ihrem Linienflug-Sitznachbarn Juri in einer Fantasywelt, die unserer irgendwie ähnelt und dann wieder komplett anders ist. Fabelwesen, Magie und kleine sprechende Erdmännchen sind hier völlig normal. Band 3 der Reihe ist mein bisheriger Liebling der Reihe. Das Setting ist nun gesetzt, so halbwegs versteht man diese fremde Welt und es ist Zeit die Geschichte voranzutreiben. Die zwei Protagonisten landen in Hollywood und geraten unversehens in den Mordfall der drallen Schauspielerin Norma Jean (ja, irgendwie genau die). Natürlich verbindet Arleston auch hier wieder seine Geschichte mit vielen Zitaten und Seitenhieben auch das Showbiz und Alessando Barbucci ergänzt das seinen unglaublich dynamischen Zeichnungen.

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