Text erschienen „Lieblingsspiel: Streets of Rage 2“ (Newsletter Computerspielemuseum Berlin)

Wütender waren Straßen nie

Es war eine Schlacht. Sie wurde auf jedem Schulhof unseres freiheitlich-bundesrepublikanischen Landes in den 1990er-Jahren gefochten. Die Generationen von Fürsprechern der 16-Bit-Lager, die bereits zuvor einmal gegeneinander angetreten waren, begaben sich erneut in ihre technologisch-ideologischen Schützengräben. Auf der einen Seite die jungen BesitzerInnen des SNES von Nintendo und auf der anderen die trendigen Style-Idealisten der Sega-Mega-Drive-Fraktion. Freunde einer gepflegten Faustduschen-Spielesoftware konnten auf ersterer Hardware mit einem triumphalen Lächeln sofort auf die Beat-‚em-up-Perle Street Fighter II verweisen. Doch Sega-Aficionados hatten ebenso ein box- und kickstarkes Ass im Ärmel: Streets of Rage 2.

War bereits Teil 1 ein Brett von Spiel gewesen, setzte die Fortsetzung Streets of Rage 2 dem Genre-Fass der – in meinen Augen – die Brawler-Krone auf. Bereits zuvor war ich als Spieler entzückt gewesen, in Side-Scrolling Beat ’em ups wie etwa Double Dragon oder Final Fight alleine – aber noch lieber zusammen mit einem Mitspieler – die Straßen der Stadt vom prügelnden, virtuellen Gesindel zu befreien. Streets of Rage 2 bot all das, was man sich von einem zünftigen Vertreter des Genres erwartete… und noch eine Menge mehr!

Segas erstes 16-Megabit-Modul bot nicht nur eine großen Umfang an unterschiedlich gestalteten Leveln (mal war man in Großstadtschluchten, mal in einem Sportstadion und mal an einem karibisch anmutenden Strand unterwegs), sondern hatte außerdem vier wählbare Charaktere in petto, mittels derer man die Herausforderungen des Spiels auf sehr verschiedene Art und Weise angehen konnte. Egal, ob man sich für die beiden in ihren Fähigkeiten ausgeglichenen Axel Stone und Blaze Fielding entschied oder den flinken Eddie beziehungsweise den mächtigen, jedoch langsamen Ringer Max bevorzugte: Die üblen Heerscharen des sinisteren Mr. X, der zudem einen Charakter des Vorgängers entführt hatte, hielten die Stadt in Atem. Höchste Zeit, dem schandhaften Chaos ein Ende zu bereiten. Zum unheimlich knarzenden, meist treibenden, elektronischen Power-Sound (Hail Yuzo!) prügelte man sich mit einem reichhaltigen Schlag-, Tritt- und Wurfportfolio (plus diversen Waffen) durch die abwechslungsreichen Reihen der Schurken bis schließlich nach seinem Hauptbodyguard Mr. X selbst in den Ring stieg. Aber nicht allein – der Schummler hatte seine Maschinenpistole griffbereit und zögerte nicht, ausgiebig Gebrauch von ihr zu machen.

Auf dem – nur per Code – einzugebenden Schwierigkeitsgrad „Mania“ blieb der Titel lange lange Zeit eine Herausforderung für uns: Noch sehr deutlich erinnere ich mich an den Frühlingstag 1995, an dem wir uns siegreich im Limo-Rausch in den Armen lagen. Die Steuerungsabläufe für das Spiel sind, wie auch die für Road Rash 2 und NBA Jam, in mein motorisches Gedächtnis gewandert und beliebig abrufbar, wie ich erst im letzten Dezember bei einer ausufernden Retro-Sitzung feststellen konnte. Streets of Rage 2 gilt – abschließend gesprochen – zu Recht als eines der besten Spiele aller Zeiten und hat für immer einen Platz in meiner persönlichen Top-10.

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