Tagungsbericht „Spielzeichen – Theorien, Analysen, Praktiken des zeitgenössischen Computerspiels (5.-7.12.2014, Universität Passau)“

Alexander Schlicker hat auf Paidia.de einen sehr umfangreichen und informativen Tagungsbericht zusammengestellt, den Ihr hier findet. Selbstverliebt darf ich kurz festhalten, was der werte Kollege über meinen Vortrag festzuhalten wußte:

„Wie setzen sich Games mit historisch weitreichenden Motivtraditionen wie dem Begriffspaar der Utopie und der Dystopie auseinander? Und wie spannt die kontemporäre Games-Kultur dabei andere Medienkanäle mit ein? Dr. Rudolf Inderst (München) war es vorbehalten, diese Gedanken anhand des kontrovers diskutierten Ego-Shooters „Wolfenstein: The New Order“ (2014) zu konkretisieren. Inderst führte aus, wie „Wolfenstein“ das Thema einer antinationalsozialistischen Dystopie in Form einer alternativen Geschichtsschreibung verhandelt, indem vergleichbar zu Romanen wie „Vaterland“ (1992) von Robert Harris der Ausgang des Zweiten Weltkrieges zugunsten der Nazis fiktiv weitergesponnen wird. Nach einer Einführung in die Begriffstradition der Utopie aus geisteswissenschaftlicher Perspektive zeigte der Vortrag auf, dass Games wie „Wolfenstein“ zum einen durch ihre mediale Disposition als digitales Medium prädestiniert für „unmöglich mögliche Welten“ sind, aber zum anderen auch durch Werbestrategien wie die Inszenierung von Internetclips zu faschistischen Musik-Labels, die an das Erzähl-Universum von „Wolfenstein“ angedockt sind, die medialen wie erzählerischen Grenzen ausweitet. Ob nun als Fortschreibung motiv- und medienhistorischer Tradition im Medium eines per se kontroversen Genres wie dem Ego-Shooter oder als Anlass, über transmediale Inszenierungs- und multimedial vernetzte Marketingstrategien nachzudenken: Die Ausführungen von Rudolf Inderst unterstrichen die notwendige Sorgfalt, Computerspiele gerade in ihren dezidiert historischen wie digitalen Vernetzung stets genau zu verfolgen, um sie als aktive Agenten der Medienkultur beschreiben zu können (auch im Sinne Bruno Latours).“

Disposition…ist cooler als Disco.

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