Nach unserem letzten gemeinsamen Projekt in Sachen Game Studies, machen wir, Peter Just und Rudolf Inderst, sich wieder auf, einen neuen Game Studies-Sammelband auf die Beine zu stellen. Der Call for Papers wurde gerade auf die Reise geschickt – hier der Wortlaut mit Bitte/freudigem Aufruf zur Partizipation und Weiterverteilung.
In der Beziehung Mensch/Maschine spielt der Begriff der „Körperlichkeit“ eine bedeutsame Rolle. Traditionell stellten klassische Eingabegeräte wie etwa Joystick, Maus oder Tastatur die Schnittstelle zwischen Hardware und Benutzer von digitalen Spielen dar. Vermeintlich änderte sich mit der Markteinführung der Nintendo Wii Ende 2006 die Art der Eingabe hin zu einer körperlich ganzheitlicheren Steuerung. Während Sony mit seiner Move Bewegungssteuerung eine ebenfalls controllerbasierte Lösung entwarf, ging man bei Microsoft mit Kinect noch einen Schritt weiter: Hier wird der Körper vollends zum Interface. Auch die neue Generation von Mobilfunktelefonen fordert den Spieler in seiner physischen Entität immer wieder auf das Neue heraus.
Die kulturanthropologische Forschung der letzten Jahre fasst den Begriff der „Körperlichkeit“ freilich ungleich weiter. So richten beispielsweise nicht mehr nur GenderforscherInnen ihren Blick auf das sozial konstruierte Geschlecht. Dennoch trifft der interessierte Umgang mit Körpern nur begrenzt auf die Disziplin der Game Studies zu. Der geplante Sammelband möchte zu diesem Thema AutorInnen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen zusammenführen, um eine weitreichende kritische Diskussion anzustoßen und anzufeuern.
Körperlichkeit taucht in Video- und Computerspielen in vielfältiger Art und Weise auf. Das Feature des Charakter-Editors stellt in diversen Genres (Online-Rollenspielen, Sportspielen, Simulationen etc.) einen essentiellen Teil des
Spielerlebnisses dar. Wenn es um die Konstruktion von Körperlichkeit geht, sind auch allerdings auf den ersten Blick eher technisch anmutende Verfahren wie beispielsweise Motion Capture fruchtbare Grundlagen für die Diskussion und fordern
Überlegungen heraus, die Fragen nach Begriffen wie Nachahmung und Natürlichkeit oder Transfer nachspüren können.
Mindestens genauso große Faszination wie das Erstellen von virtuellen Körpern übt auf der anderen Seite das Zersetzen beziehungsweise Dekonstruieren dieser Avatare oder computer people auf zahlreiche SpielerInnen aus. Dabei stehen
vor allem Kampfsimulationen und First/Third Person Shooter im Mittelpunkt der Betrachtung. Welchen Reizen unterliegen diese – oftmals, überspitzt formuliert, an chirurgische Praktiken erinnernden – Prozesse? Kann an dieser Stelle vielleicht der Begriff der Macht oder Allmacht konstruktiv eingesetzt werden?
Weitere Überlegungen zielen auf die Körperlichkeit der Personen vor den Wiedergabegeräten ab: Körperlich eingeschränkte Nutzer stehen oftmals vor ganz eigenen Herausforderungen. Allein, diese ins Gedächtnis zu rufen, kann nicht der einzige Gegenstand von Forschung sein – wie sehen die Entwicklungen und Trends aus? Was läuft bereits unter dem Radar von Mainstream-Berichterstattung? Wie können gemeinsame Spielerlebnisse aussehen, die abseits des reinen Verdachts einer affirmative action stattfinden?
Die eingereichten Vorschläge können, müssen jedoch keineswegs einer strengen Wissenschaftlichkeit unterliegen – vielmehr geht es um eine exzellente Lesbarkeit der Beiträge. Daher sind essayistische Betrachtungen ausdrücklich ebenso
erwünscht wie klassische, akademische Beiträge.
Herausgeber
Dr. Rudolf Inderst studierte Politische Wissenschaften, Neuere und Neuste Geschichte und Amerikanische Kulturgeschichte in München und Kopenhagen. Seine Dissertation trägt den Titel Vergemeinschaftung in Massively Multiplayer Online Role-Playing Games. Als freier Journalist schreibt er für unterschiedliche Publikationen und arbeitet als Leiter des Ressorts Digitale Spiele bei TITEL Kulturmagazin.
Peter Just, M.A. studierte Amerikanische Kulturgeschichte, Psychologie und Wirtschaftsgeographie. Er promoviert zu militär-historischer Ideengeschichte am Amerika Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er auch als
wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist. Seine Magisterarbeit trägt den Titel Renegaten? Francis Fukuyama und Robert Kagan als neokonservative Denker.
Gemeinsam erschien von den beiden Herausgebern Anfang 2011 der Game Studies Sammelband Contact – Conflict – Combat: Zur Tradition des Konfliktes in digitalen Spielen im Verlag Werner Hülsbusch.
Die Vorschlagseinreichungen (max. 5000 Zeichen) werden von den Herausgebern gesichtet. Die Vorschläge sollten Titel, Namen, Institution und Adresse enthalten.
Anschließend erfolgen die Zu- bzw. Absagen. Sammelbandsprache ist wahlweise deutsch oder englisch. Die Formatierungsvorgaben der vollständigen Artikel erfolgt nach Zusage.
Es ist geplant, den Sammelband im Verlag Werner Hülsbusch im Sommer 2012 herauszugeben.
Einreichungsmodalitäten und Deadlines
Einreichung Themenvorschlag: 31. Oktober 2011
Zusage bis: 31. November 2011
Einreichung Volltext: 31. März 2012
Geplante Publikation: Sommer 2012
Bitte senden Sie ihre Artikelvorschläge zu Händen beider Herausgeber:
Rudolf Inderst
Peter Just
koerperlichkeit@googlemail.com
Interessant Bethke wird mal überlegen