Ein paar Gedanken zu … TV-Serien

TV-Serien sind, cum grano salis, entscheidende Instrumente in der Kindererziehung. Kinder erleben die TV-Serie als eine Institution, welche eine enorme Kontinuität und somit Ausdruck eines Weltbildes voller Verlässlichkeit repräsentiert. Die Ausstrahlung findet in temporal-regelmäßigen Abständen statt und vermittelt ergo Ordnung.

Wie viele andere Kinder auch, bedeuten TV-Serien, vorwiegend amerikanische, einen nicht geringen Teil des Aufwachsens, des Mit-Wachsens. Während etwa die 1980er-Jahre lediglich zum Konsum einluden, begann sich im Folgejahrzehnt langsam, aber stetig ein reflexiver Diskurs einzustellen. Man begann, Serien zu interpretieren und sie in gesellschaftliche Zusammenhänge einzuordnen. Es wurde klar, TV-Serien sind, wie Filme auch, Spiegel ihrer Zeit und nur wenigen möchte man, abseits vom Geschreie um TV-Kult, einen „zeitlosen Charakter“ attestieren.

Weltpolitisch beinhaltet natürlich der Zeitraum, über den ich an dieser Stelle schreibe, eine Zäsur sondergleichen, das Ende des Ost-West-Konflikts ließ sich auch in der Serienlandschaft deutlich erkennen. So ist in etwa eine Serie wie „Airwolf“ ohne den Antagonismus der Großmächte kaum vorstellbar. Es bleibt daher die Frage, ob nicht das Phänomen „Terrorismus“ eine neue Wende in der Themenwahl von Produzenten und Senderchefs einläutete – man denke an den enorm erfolgreichen Start von „24“.

Als Kind erfreute ich mich an vielen Serien. Bekannte Namen wie etwa „Knight Rider“, „A-Team“, „Airwolf“, „Agentin mit Herz“ oder aber „Hart aber herzlich“ lieferten verständliche Schwarz-Weiß-Schablonen und boten rasante Action, welche mich mitfiebern ließ. Als Kind war es mir völlig unverständlich, dass ich zu keinem Zeitpunkt in Sorge um das Wohlergehen der Protagonisten zu sein brauchte, immer wieder meisterten diese schier auswegslose Situation mit Witz und Härte. Oder mit naturwissenschaftlichem Know-How wie etwa Kollege „MacGyver“. In München aufwachsend, genoss man den Luxus, auch Serien via ORF zu empfangen – ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Auf der Comedy-Seite war ganz klar „Alf“ mein Mann (meine „Außerirdische Lebensform“). Die 1990er-Jahre überzeugten durch „Parker Lewis“, welchen ich als Vorbild in meinem Steckbrief der Abitur-Zeitung benannte – neben Fox Mulder, welcher in „Akte X“, meiner unbestrittenen Lieblingsserie des Jahrzehnts durch seinen Idealismus, seinen kühlen Charme sowie seinen trockenen Humor in meiner Werteskala punkten konnte. Die in meinem Freundeskreis mit Applaus bedachten „Simpsons“ hingegen empfand ich richtig, richtig langweilig, auch konnte ich mich dem ausbrechenden Polizei/Arzt-Mix-Fieber Ende der 90er nicht anschließen. Mittlerweile, so deucht es mir, hat wohl jede Kleinstadt in den Staaten ein eigenes CSI-Pendant. Ich warte auf „CSI Baldham-Northside“. Vom Soap-Wahn blieb ich weitgehend auch verschont, meine Großtante lebte mir den fiesen Serienjunkie vor: Nicht ohne „General Hospital“ (andere durfte man um 17:55h nicht anrufen, auf „Verbotene Liebe“ folgte „Marienhof“ – die Konkurrenz chillte bei „GZSZ“ bzw. „Unter uns“ oder weiß der (Serien-)teufel was). Auch nicht ganz nachvollziehen konnte ich den Hype um „Emergency Room“ oder etwas seichter „Chicago Hope“: Immer wieder hört man von ER-Fans aber den Satz: Doch, doch, in der Notaufnahme geht es wirklich so zu – „I am not convinced.“ (J. Fischer, Visa-Jongleur). Den letzten Trendsetter, welchen ich wirklich nachvollziehen konnte, war „24“, sehr erfrischend! Auch wenn ich bisher nur die erste Staffel sah, irgendwann kommt meine Zeit. Oh Gott, jetzt hätte ich fast all die weinenden Mädels vergessen, welche die Schulklasse mit Gesprächen über „Beverly Hills 90210“ und „Melrose Place“ bereicherten, während schwitzende Jungmänner über die Zeitlupen-Einstellungen von „Baywatch“ fachsimpelten. Zu deutschen Serien fällt mir an dieser Stelle nicht sonderlich viel ein, ich hatte immer das Gefühl, es gäbe hier zu Lande keine richtige Balance: Entweder langweilte man sich bei „Derrick“ bzw. „Der Alte“ (Serien, bei denen sich die Hauptdarsteller bereits beim Besteigen ihres 7er-BWMs doubeln ließen, weil so dynamisch/gefährlich wurde) oder man staunte über den wilden Dramaturgie-Ersatz in Form von zehn kaputten PKWs bei „Alarm für Cobra 11“: Dazwischen, also die interessante Nische, fand ich bis dato nichts.

tbc…

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